Was passiert, wenn plötzlich der Strom knapp wird oder ganz ausfällt? Und welche Rolle spielen Behörden, Einsatzorganisationen – aber auch wir selbst – in einer solchen Situation? Diesen Fragen stellten sich rund 120 Schüler:innen der Kantonsschule Trogen während der bislang grössten Sicherheitswoche. Unsere Projektleiterin Anna-Lena Köng begleitete gemeinsam mit weiteren Projektleiter:innen von EBP Schweiz die Jugendlichen bei der Auseinandersetzung mit Katastrophen und Notlagen. Sie zeigten auf, weshalb gute Krisenvorsorge nicht nur Wissen, sondern auch Eigenverantwortung, Selbstwirksamkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt braucht.
Sechs Klassen der Kantonsschule Trogen beschäftigten sich während jeweils zweieinhalb Tagen intensiv mit Katastrophen und Notlagen, die für die Schweiz relevant sind. Im Zentrum standen die Szenarien Strommangellage und Blackout: Was bedeutet es konkret, wenn Energie nicht mehr wie gewohnt verfügbar ist? Welche Herausforderungen entstehen für die Bevölkerung und das öffentliche Leben? Und wer übernimmt in einer solchen Situation welche Aufgaben?
Dabei ging es nicht nur darum, Krisenszenarien besser zu verstehen. Die Jugendlichen setzten sich auch damit auseinander, welche Rollen die einzelnen Behörden und Organisationen für Rettung und Sicherheit (BORS) und jede:r Einzelne übernehmen können. Denn eine resiliente Gesellschaft entsteht nicht allein durch funktionierende Einsatzorganisationen und staatliche Strukturen. Entscheidend ist auch, dass Menschen Risiken einordnen können, sich auf mögliche Krisen vorbereiten und wissen, wo ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten liegen.
Vom Krisenszenario ins eigene Handeln
Genau hier setzte die praktische Arbeit während der Sicherheitswoche an. In sogenannten Taskforces nahmen sich die Schüler:innen den Herausforderungen einer fiktiven Strommangellage an. In einem strukturierten Vorgehen analysierten sie die Situation und entwickelten konkrete Massnahmen. Dazu gehörte auch eine Sensibilisierungskampagne für die breite Bevölkerung, bei der die Jugendlichen ihre eigenen Ideen und ihre Kreativität einbringen konnten. Die Auseinandersetzung macht deutlich: Krisenvorsorge beginnt nicht erst im Ernstfall. Bereits das Wissen darüber, wie man sich beispielsweise mit einem Notvorrat vorbereiten kann, schafft konkrete Handlungsmöglichkeiten. Wer versteht, was in einer Krise passieren kann und welchen Beitrag man selbst leisten kann, stärkt die eigene Selbstwirksamkeit – und damit auch die gesellschaftliche Resilienz. Aus Sicht von Risiko-Dialog ist deshalb zentral, junge Menschen nicht nur über Risiken zu informieren, sondern ihnen Möglichkeiten zum eigenen Handeln aufzuzeigen. Die Sicherheitswoche verbindet Wissen über Katastrophen und Notlagen mit konkretem Erleben und der Frage, wie wir als Gesellschaft gemeinsam mit Unsicherheit und Krisen umgehen können.
Aus Sicht von Risiko-Dialog ist deshalb zentral, junge Menschen nicht nur über Risiken zu informieren, sondern ihnen Möglichkeiten zum eigenen Handeln aufzuzeigen. Die Sicherheitswoche verbindet Wissen über Katastrophen und Notlagen mit konkretem Erleben und der Frage, wie wir als Gesellschaft gemeinsam mit Unsicherheit und Krisen umgehen können.
Bevölkerungsschutz wird erlebbar
Besonders anschaulich wurde dies an den «BORS-Nachmittagen». Behörden und Organisationen für Rettung und Sicherheit gaben den Jugendlichen Einblick in ihre Aufgaben und zeigten, wie sie in Katastrophen und Notlagen zusammenarbeiten. Mit dabei waren die Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden, die Stützpunktfeuerwehr Mittleres Appenzellerland, die Schweizer Armee, der Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden und die Zivilschutzorganisation Appenzell Ausserrhoden. Fahrzeuge und Material konnten aus nächster Nähe kennengelernt und vieles direkt ausprobiert werden.
So wurde Bevölkerungsschutz nicht abstrakt vermittelt, sondern konkret erfahrbar. Gleichzeitig zeigte die Woche, dass Krisenbewältigung ein Zusammenspiel unterschiedlicher Akteur:innen ist: von professionellen Einsatzorganisationen über Behörden bis hin zur Bevölkerung selbst.
Die erste Sicherheitswoche im Kanton Appenzell Ausserrhoden wurde gemeinsam von der Kantonsschule Trogen, dem kantonalen Amt für Militär und Bevölkerungsschutz und der Koordinationsstelle des Vereins Sicherheitswochen umgesetzt. Mit rund 120 Jugendlichen war sie zugleich die bislang grösste Durchführung – und ein Beispiel dafür, wie die Auseinandersetzung mit Risiken junge Menschen darin stärken kann, Krisen nicht nur als Bedrohung wahrzunehmen, sondern die eigenen Handlungsmöglichkeiten zu erkennen.
Die Sicherheitswochen werden von der Regierungskonferenz Militär, Zivilschutz und Feuerwehr RKMZF über den Verein Sicherheitswochen getragen. Gemeinsam mit EBP Schweiz unterstützt die Stiftung Risiko-Dialog die Konzeption, Durchführung und Weiterentwicklung der Sicherheitswochen.
Fotos von EBP Schweiz

