25. Juni 2026

Ein heisser Sommertag bedeutet für viele Menschen Freizeit, Badewetter und laue Abende. Doch für andere bedeuten die hohen Temperaturen vor allem Erschöpfung, gesundheitliche Risiken oder auch Vereinsamung, isoliert im kühlen Zuhause. Mit zunehmenden Hitzewellen wird Hitze immer stärker zu einer gesundheitlichen, sozialen und gesellschaftlichen Herausforderung. Die Schweiz erwärmt sich schneller als viele andere Regionen der Welt, und insbesondere Städte sind von den Folgen betroffen.

 

 

Die Frage lautet deshalb nicht mehr, ob wir uns an häufigere und intensivere Hitzeperioden anpassen müssen, sondern wie. Dabei geht es sowohl um praktische Massnahmen wie schattige Plätze, ausreichend Trinkwasser und Klimatisierung, als auch um gesellschaftliche Resilienz – also darum, wie wir Menschen, Quartiere, Organisationen und Städte dabei unterstützen können, mit diesen Herausforderungen umzugehen.

 

 

Die Schweiz wird heisser – und das spüren wir bereits heute

Der Klimawandel ist in der Schweiz längst Realität. Die Temperaturen steigen schneller als im globalen Durchschnitt, Hitzewellen treten häufiger auf und dauern länger. Besonders in dicht bebauten Gebieten wird die Hitze durch den sogenannten Hitzeinsel-Effekt zusätzlich verstärkt. Gleichzeitig nehmen Trockenperioden zu, Böden trocknen aus und die Belastungen für Mensch, Umwelt und Infrastruktur wachsen. Für weitere Details zu den Schweizer Klimaszenarien empfiehlt sich die Publikation Klima CH2025.

 

Die Auswirkungen reichen weit über einzelne Hitzetage hinaus. Sie betreffen die Gesundheit der Bevölkerung, die Lebensqualität in Städten und Gemeinden sowie die Frage, wie wir unsere Lebensräume künftig gestalten. Hitze ist deshalb längst nicht mehr nur ein Klimathema. Sie wird zunehmend zu einer Frage der Gesundheit, der sozialen Gerechtigkeit und der Lebensqualität.

 

 

Hitzeresilienz bedeutet mehr als Hitzeschutz

Wenn über Hitze gesprochen wird, stehen häufig individuelle Schutzmassnahmen im Vordergrund: ausreichend trinken, körperliche Anstrengungen vermeiden oder Wohnräume möglichst kühl halten. Diese Massnahmen sind wichtig und können gesundheitliche Risiken reduzieren. Nachfolgend ein paar Quellen, welche die individuellen Hitzeschutzmassnahmen gut zusammenfassen:

 

 

Gleichzeitig zeigen Hitzewellen aber auch, dass nicht alle Menschen gleich gut mit solchen Belastungen umgehen können. Besonders betroffen sind ältere Menschen, Personen mit Vorerkrankungen, Menschen in schlecht isolierten Wohnungen oder sozial isolierte Personen. Auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität sind häufig stärker auf Unterstützung angewiesen. Hitzeresilienz bedeutet deshalb mehr als persönlicher Hitzeschutz. Sie wirft die gesellschaftliche Frage auf, wie wir Bedingungen schaffen können, damit alle Menschen besser geschützt sind – unabhängig von Alter, Wohnsituation oder sozialem Umfeld.

 

 

Hitzeresilienz ist eine Gemeinschaftsaufgabe

Die Folgen von Hitze lassen sich nicht allein durch individuelles Verhalten bewältigen. Gefragt sind auch funktionierende Nachbarschaften, lokale Netzwerke und unterstützende Gemeinschaften. Gesellschaftliche Resilienz entsteht dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen und lokale Strukturen Unterstützung ermöglichen.

 

Deshalb ist es auch wichtig, dass wir auch an unsere Mitmenschen denken und für sie da zu sein. Gegenseitige Unterstützung kann sich in der Familie oder Gemeinschaft, in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz oder auch bei Zufallsbegegnungen auf der Strasse abspielen ­– und im Zweifelsfall Leben retten. Wir alle sind gefragt – zugleich kann die sogenannte gesellschaftliche Resilienz auch gezielt unterstützt werden, etwa durch das Öffnen von kühlen Räumen und Unterstützungsangebote für ältere alleinwohnende Mitmenschen. Wir haben einige Ratschläge gesammelt, wie du in deiner Community aktiv unterstützen kannst:

 

  1. Vulnerable Gruppen identifizieren und unterstützen: Sprich bereits vor einer Hitzeperiode mit Nachbar:innen, Freund:innen oder Familienmitgliedern, um besonders gefährdete Personen zu identifizieren – etwa ältere Menschen, Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen oder Menschen, die in Dachwohnungen leben. Biete konkrete Unterstützung an, beispielsweise beim Einkaufen, bei Besorgungen oder durch die Möglichkeit, sich während extremer Hitze in kühleren Räumen aufzuhalten. Respektiere dabei stets die Wünsche der Betroffenen. Oft hilft es bereits, regelmässig vorbeizuschauen, Kontakt zu halten und zuzuhören. Gerade ältere und hitzeempfindliche Menschen ziehen sich während Hitzewellen häufig zurück, was das Risiko von Einsamkeit und sozialer Isolation erhöhen kann.
  2. Zugängliche kühle Orte erkennen und teilen: Identifiziere schattige und kühle Orte in deiner Nachbarschaft oder engagiere dich für deren Gestaltung. Denke dabei auch an die Erreichbarkeit: Wie gelangen Menschen mit eingeschränkter Mobilität dorthin? Wer kann Begleitung oder Transport organisieren? Bestehende Ressourcen wie Gemeinschaftsgärten, Kirchen, Parks oder Biodiversitätsteiche können wertvolle Aufenthaltsorte während Hitzeperioden sein.
  3. Informationen teilen und Bewusstsein schaffen: Verbreite Informationen zu Hitzeschutzmassnahmen – beispielsweise über diesen Artikel oder die weiterführenden Quellen. Weise zudem auf Wasserstellen in der Umgebung hin, etwa öffentliche Brunnen oder digitale Wasserkarten. Je besser Menschen informiert sind, desto wirksamer können sie sich und andere vor den Auswirkungen von Hitze schützen.
  4. Sich in Organisationen engagieren: Es existieren teilweise bereits Strukturen mit Erfahrung, um (Hitze-)Hilfe koordiniert zu leisten. Schliesse dich bestehenden Initiativen an wie dem Roten Kreuz, der freiwilligen Feuerwehr oder Karma Lama – oder setze dich für neue Formate in deiner Gemeinde ein, zum Beispiel eine Freiwillige Klimafolgewehr.
  5. Solidarisch vorsorgen und gemeinsam lernen: Nimm an Veranstaltungen wie den Resilienz-Wochen teil, um dich über lokale Herausforderungen und bestehende Massnahmen zu informieren. Gemeinsam mit anderen können Strategien für Gesundheitsschutz, Nachbarschaftshilfe und eine solidarische Krisenvorsorge entwickelt werden. Denn Resilienz entsteht dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen und gemeinsam handeln.

 

 

Welche Rolle können Städte und deren Verwaltungen spielen?

Hitzeresilienz ist nicht nur eine Aufgabe einzelner Menschen. Städtische Verwaltungen spielen eine Schlüsselrolle dabei, die Bevölkerung vor den Auswirkungen zunehmender Hitze zu schützen. Versiegelte Flächen speichern Wärme, Gebäude erschweren die Luftzirkulation und Grünräume fehlen vielerorts. Dadurch können urbane Gebiete mehrere Grad wärmer sein als ihr Umland. Die Gestaltung unserer Städte entscheidet deshalb wesentlich darüber, wie gut wir zukünftige Hitzewellen bewältigen können.

 

Gleichzeitig stellen sich wichtige Fragen: Wer ist besonders gefährdet? Wo gibt es kühle Aufenthaltsorte? Wie können vulnerable Gruppen erreicht werden? Welche lokalen Netzwerke können unterstützen? Und wie lassen sich Bevölkerung, Verwaltung und weitere Akteur:innen in die Entwicklung wirksamer Massnahmen einbeziehen?

 

Hitzeresilienz entsteht nicht erst während einer Hitzewelle, sondern in der Vorbereitung. Städte, die heute lokale Herausforderungen analysieren, relevante Akteur:innen einbinden und gemeinsam Lösungen entwickeln, schaffen die Grundlage für einen wirksamen Hitzeschutz und eine langfristig lebenswerte Stadt.

 

 

Unser Ansatz bei Risiko-Dialog

Bei Risiko-Dialog verstehen wir Hitzeresilienz nicht nur als technische oder planerische Aufgabe. Uns interessiert insbesondere die gesellschaftliche Dimension von Hitze und Klimaanpassung.

 

Im Zentrum stehen Fragen wie: Wie können vulnerable Gruppen besser erreicht werden? Welche Beteiligungsformate fördern lokale Lösungen? Wie können unterschiedliche Perspektiven in Anpassungsstrategien einfliessen? Und wie lassen sich Resilienz und gesellschaftlicher Zusammenhalt gemeinsam stärken?

 

Mit unserer Erfahrung in den Bereichen Dialoggestaltung, Partizipation, Risiko- und Resilienzforschung sowie Transformationsprozesse unterstützen wir Organisationen dabei, diese Fragen gemeinsam mit relevanten Akteur:innen zu bearbeiten und tragfähige Lösungen zu entwickeln.

 

 

Hitzeresilienz gemeinsam gestalten

Hitzewellen werden uns in Zukunft häufiger begleiten. Umso wichtiger ist es, frühzeitig darüber nachzudenken, wie wir als Gesellschaft damit umgehen wollen. Hitzeresilienz entsteht nicht allein durch Infrastruktur oder individuelle Vorsorge, sondern durch das Zusammenspiel von Menschen, Organisationen und Institutionen.

 

Wir möchten diese Diskussion aktiv mitgestalten. Projektleiter Samuel Eberenz freut sich auf den Austausch mit Städten, Gemeinden, Organisationen und Fachpersonen, die sich mit Fragen der Hitzeresilienz beschäftigen. Denn die Herausforderungen der Zukunft lassen sich am besten gemeinsam bewältigen.