Ist Civic Tech inklusiv, niederschwellig und innovativ oder schürt es den «Digital Divide» und fehlt das Vertrauen in die Technologie?

Im Rahmen der Civic Tech Konferenz 2021 führte die Stiftung Risiko_Dialog gemeinsam mit dem Verein Opendata am 4. Mai 2021 einen Workshop zu den Chancen und Gefahren von Civic Technology durch. Mit dabei waren Vertreter_innen von Gemeinden, Zivilgesellschaft und Technologieexpert_innen. Auch fand die Video Premiere zur Digitalen Demokratie Toolbox des gemeinsamen UNESCO-Projekts der Stiftung Risiko_Dialog und der Dachverband für Jugendparlamente statt. Die Digitale Demokratie Toolbox bildet das Ökosystem der unterschiedlichen Civic Tech Anwendungen in der Schweiz ab.

 

Spätestens nach dem Sozialdetektiv-Referendum im November 2018, welches innert kürzester Zeit die nötigen Unterschriften digital sammelte, ist Civic Tech aus der Schweizer Politlandschaft nicht mehr wegzudenken. Unter Civic Technology (kurz: Civic Tech) versteht man den Einsatz digitaler Technologien zur Verbesserung der politischen Partizipation der Bevölkerung. Sie umfasst mehr als nur den Akt der Unterschriftensammlung. Konkret wird darauf abgezielt, die Bürger_innen besser in politische Planungs- und Entscheidungsprozesse einzubeziehen.

Um Civic Tech Gemeindevertreter_innen näher zu bringen, fand die dritte Ausgabe der Civic Tech Konferenz gemeinsam mit rund 70 Entscheidungsträger_innen, Entwickler_innen und Civic-Tech-Interessierten statt. Im Zentrum stand dabei der Wissenstransfer über die vielseitigen Möglichkeiten von Civic Tech und damit die Förderung der digitalen Partizipation in den Gemeinden. Als Höhepunkt fand die Video Premiere zur Digitalen Demokratie Toolbox statt – Ein Projekt der Stiftung Risiko_Dialog gemeinsam mit dem Dachverband Schweizer Jugendparlamente (DSJ) unterstützt durch die Schweizerische UNESCO-Kommission.

Im Rahmen der Konferenz gab Nathalie Stübi (Stiftung Risiko_Dialog) gemeinsam mit Florin Hasler (Opendata) einen Workshop zu den Chancen und Herausforderungen in Civic Tech. Innerhalb von zwei 30-minütigen Sessions sammelten, diskutierten und teilten Gemeinde-, Technologie- und zivilgesellschaftlichen Vetreter_innen ihre Erfahrungen auf einem digitalen Board. In einem ersten Auftakt kamen innerhalb eines stillen, sich gegenseitig inspirierenden, Brainstormings eine Vielzahl an Chancen und Herausforderungen zu Civic Tech zusammen. Diese wurden bestehenden Stakeholder Stimmen gegenübergestellt und lieferten spannende Weiterführungen. So kam ein breites Spektrum an positiven Aspekten von Inklusion, Niederschwelligkeit, Mitwirkung, Disruption, Legitimität über Innovation und Effizienz zusammen. Auf der Kehrseite der Civic Tech Anwendungen nannten die Teilnehmenden u.a. Erwartungsmanagement, «Digital Divide», fehlenden Finanzierung und Sicherheit, beziehungsweise Vertrauen in digitale Technologien.

In einer nachfolgenden Session wurde in Kleingruppen gearbeitet mit dem Ziel lösungsorientierte Rahmenbedingungen für Civic Tech zu skizzieren. DieTeilnehmenden pickten ihre persönlichen Civic Tech-Anliegen heraus und entwickelten gemeinsam fördernde Initiativen (bei Chancen) oder mögliche Lösungen (bei Herausforderungen). Dabei wurden konkret erste Lösungsansätze für Datenschutz-Bedenken, zielgruppenspezifische Ansprachen und die allgemeine Förderung von Civic Tech Anwendungen entworfen.

 

Wir danken allen Teilnehmenden für Ihr aktives Mitwirken! Die erarbeiteten Resultate des Workshops bieten erste Ansatzpunkte den Handlungsbedarf in der Civic Tech-Community zu verstehen. Diese Inputs fliessen direkt in ein Folgeprojekt ein, welches vom Dachverband Schweizer Jugendparlamente (DSJ), Mercator Schweiz und Migros-Pionierfonds geleitet in Entwicklung ist.