14. Juli 2026

Hitzewellen gehören zunehmend zum Alltag – insbesondere in unseren Städten. Doch Hitzeresilienz entsteht nicht erst während einer Hitzewelle, sondern in der Vorbereitung. Gemeinden, die heute Risiken analysieren, lokale Akteur:innen einbinden und konkrete Massnahmen planen, schaffen die Grundlage für einen wirksamen Hitzeschutz und eine langfristig lebenswerte Gemeinschaft. Fünf zentrale Fragen helfen dabei, die eigene Gemeinde fit für die Zukunft zu machen.

 

 

An heissen Sommertagen können gerade Städte mehrere Grad wärmer sein als ihr Umland. Verantwortlich dafür ist der sogenannte Hitzeinsel-Effekt: Asphalt und Beton speichern Wärme, Gebäude schränken die Luftzirkulation ein, Grünflächen fehlen vielerorts und Strassen, Fahrzeuge oder Klimaanlagen geben zusätzliche Wärme an ihre Umgebung ab. Dadurch kühlen Städte auch in der Nacht deutlich langsamer ab. Zugleich erhöht sich die Gefahr durch Extremereignissen wie Gewitter, Hagel und Starkniederschläge.

 

Die Gestaltung unserer Städte entscheidet deshalb wesentlich darüber, wie gut wir zukünftige Hitzewellen bewältigen können. Gleichzeitig reicht Stadtplanung allein nicht aus. In der Hitzewelle im Juni 2026 ist vielerorts akutes Handeln und Kreativität gefragt: Während in Berlin Wasserwerfer der Polizei kühlenden Nebel versprühen, kann man online unter dem Slogan «beat the heat» dem Roll-Out des Hitzenotfallplans von New York City verfolgen. Im akuten Fall entscheidend ist die Frage, wie gut eine Gemeinde organisatorisch und gesellschaftlich auf Hitze vorbereitet ist.

 

 

1. Ist klar, wer im Ereignisfall koordiniert?
Eine Hitzewelle ist kein klassischer Katastrophenfall – dennoch braucht es klare Zuständigkeiten zur Information der Bevölkerung und Koordination von Unterstützungsangeboten. Diese Zuständigkeiten müssen frühzeitig definiert und die Abläufe getestet werden.

 

 

2. Ist bekannt, wer besonders betroffen ist – und wie sie erreicht werden können?
Nicht alle Menschen sind von Hitze gleich betroffen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen, kleine Kinder, Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder Personen, die alleine leben. Mögliche Massnahmen sind z.B. besonders vulnerable Gruppen gemeinsam zu identifizieren und anzusprechen, Pflegeorganisationen, Quartiervereine oder Freiwillige einzubeziehen und Unterstützungsangebote für Hitzetage vorzubereiten.

 

 

3. Gibt es genügend kühle, zugängliche Aufenthaltsorte?
An welchen öffentlichen Orten können sich Menschen während einer Hitzewelle aufhalten? Sind diese Orte gut erreichbar, bekannt und für alle betroffenen zugänglich und einladend? Neben Parks und schattigen Plätzen können auch Bibliotheken, Gemeinschaftszentren, Kirchen oder andere öffentliche Gebäude wichtige Rückzugsorte sein.

 

 

4. Werden lokale Netzwerke gefördert?
Hitzeresilienz entsteht dort, wo Menschen füreinander Verantwortung übernehmen. Deshalb lohnt sich ein Blick auf bestehende Netzwerke. Falls vorhanden können etwa Quartier- oder Gemeinschaftszentren oder auch Nachbarschaftsvereine eine solche Rolle übernehmen. Welche Rolle können diese übernehmen und wo sind Rettungskräfte gefragt? Wie können die verschiedenen Organisationen im Ereignisfall zusammenarbeiten?. Möglicherweise müssen genau solche Netzwerke gefördert werden, bspw. durch die finanzielle Unterstützung von Quartierfesten.

 

 

5. Wird die Bevölkerung in die Lösungsentwicklung einbezogen?
Die Menschen vor Ort kennen ihr Quartier am besten. Sie wissen, wo Hitze besonders belastet, welche Wege im Sommer gemieden werden, wo schattige Aufenthaltsorte fehlen und welche Lösungen im Alltag tatsächlich funktionieren. Nachhaltige und wirksame Ansätze werden dort entwickelt, wo Verwaltung, Bevölkerung, Unternehmen und weitere lokale Akteur:innen ihr Wissen und ihre Erfahrungen zusammenbringen, z.B. mit einem Workshop-Format. Beispiele sind Formate wie die Zürcher Resilienzwochen oder eine freiwilige Klimafolgenwehr. Partizipative Ansätze schaffen nicht nur praxisnahe Lösungen, sondern erhöhen auch die Akzeptanz und die Bereitschaft, diese gemeinsam umzusetzen.

 

 

Hitzeresilienz gemeinsam gestalten
Hitzeresilienz ist weit mehr als eine planerische oder technische Aufgabe. Sie verbindet Stadtentwicklung, Gesundheit, Klimaanpassung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gemeinden, die frühzeitig handeln, schaffen nicht nur kühlere Stadträume, sondern stärken gleichzeitig die Resilienz ihrer Bevölkerung. Genau hier setzen wir an. Mit unserer Expertise in Nachhaltigkeit, Klima und Energie, Umweltwissenschaften sowie Dialoggestaltung, Partizipation und Resilienz unterstützen wir Gemeinden dabei, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen, lokale Herausforderungen sichtbar zu machen und gemeinsam tragfähige Lösungsansätze zu entwickeln.

 

Denn die wichtigste Frage lautet nicht erst während der nächsten Hitzewelle: Wie gut ist unsere Gemeinde heute schon darauf vorbereitet?