7. Juli 2026

Wie können einfache und verständliche Verhaltensregeln Menschen dabei unterstützen, auf Krisensituationen besser vorbereitet zu sein und diese besser zu bewältigen? Dieser Frage widmete sich Mitte Juni der zweite Workshop zu den «Goldenen Regeln für die Bevölkerung im Krisenfall», den Risiko-Dialog und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) durchgeführt haben. Nach dem erfolgreichen Auftaktworkshop im Herbst 2025 stand nun die Weiterentwicklung der erarbeiteten Ideen mit verschiedenen Zielgruppenvertreter:innen im Zentrum. Ziel war es, die geeignetsten Regeln zu identifizieren, zu verdichten und auf ihre Praxistauglichkeit zu überprüfen. Die Kooperation ist Bestandteil des Resilience Labs, das Risiko-Dialog Ende 2025 gegründet hat.

 

 

Schritt 1: Welche Regeln sind wirklich relevant?

Bereits im ersten Workshop war ein breiter Ideenpool für mögliche «Goldene Regeln» entstanden. Im Folgeworkshop ging es nun darum, herauszufinden, welche dieser Vorschläge besonders wirksam, krisenübergreifend, für möglichst alle Zielgruppen verständlich und alltagstauglich sind

 

Dafür arbeiteten die Teilnehmenden in Gruppen an sechs Clustern von Regeln, welche im Rahmen des ersten Workshops entstanden sind. Mit Hilfe von Bewertungskriterien wurden die Vorschläge entlang von drei Kriterien diskutiert und eingeschätzt:

 

  • Wirkung in Krisen: Trägt die Regel dazu bei, möglichst viele Krisensituationen besser zu bewältigen?
  • Zielgruppenübergreifende Wirkung: Ist die Regel für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen relevant und verständlich?
  • Umsetzbarkeit: Kann die Regel im Alltag vorbereitet und im Krisenfall angewendet werden?

 

Durch diese strukturierte Bewertung entstand eine erste Priorisierung. Besonders hoch bewertet wurden Regeln, die unabhängig von Alter, Lebenssituation oder Krisentyp Orientierung bieten und sich bereits im Alltag umsetzen lassen. Die Diskussionen machten deutlich, dass erfolgreiche Krisenvorsorge nicht nur von individuellen Massnahmen abhängt, sondern auch von sozialem Zusammenhalt und gegenseitiger Unterstützung.

 

 

Schritt 2: Von vielen Einzelideen zu gemeinsamen Prinzipien

Auf Basis der ersten Beurteilung wurden die bestehenden Vorschläge zusammengeführt. Ziel war es, Doppelungen zu vermeiden und aus ähnlichen Ideen übergreifende Handlungsprinzipien abzuleiten.

 

Die Teilnehmenden diskutierten dabei unter anderem folgende Fragen: Welche Haltungs- oder Handlungslogik verbindet mehrere Regeln? Welche Vorschläge verfolgen im Kern dasselbe Ziel?

So wurden beispielsweise verschiedene Ideen zur gegenseitigen Unterstützung, zur Vernetzung im Quartier oder zur Kommunikation innerhalb von Familien zu umfassenderen Leitlinien gebündelt. Aus einer Vielzahl konkreter Vorschläge entstanden dadurch wenige, klar formulierte Regeln mit breiter Anwendbarkeit. Dieser Schritt der «Regel-Fusion» half dabei, die Komplexität zu reduzieren und den Fokus auf die zentralen Orientierungsprinzipien zu legen.

 

 

Schritt 3: Erste Praxistests und der Blick nach vorne

Im letzten Teil des Workshops wurden die verdichteten Regeln im Plenum erneut diskutiert und individuell priorisiert. Dabei schälten sich elf «Goldene Regeln» heraus. Anschliessend folgte der erste «Praxistest» anhand von KNS-Szenarien (Nationale Risikoanalyse Katastrophe und Notlagen): Die Teilnehmenden prüften die Regeln anhand der drei Krisenszenarien Hitzewelle, Pandemie und Stromausfall.

 

Die Gruppen diskutierten, ob die Regeln in diesen verschiedenen Situationen tatsächlich Orientierung bieten, wo Ergänzungen notwendig sind und welche Formulierungen noch geschärft werden sollten. Dabei zeigte sich, dass viele der entwickelten Regeln unabhängig vom konkreten Ereignis relevant bleiben. Besonders wichtig erwiesen sich die Themen soziale Vernetzung, Informationskompetenz und persönliche Vorsorge.

 

Zum Abschluss stand die Frage im Zentrum, wie die «Goldenen Regeln» künftig gemeinsam mit der Bevölkerung getestet werden können, um herauszufinden, ob sie verständlich sind und tatsächlich dazu beitragen, sich auf Krisensituationen vorzubereiten. Als mögliche Formate, wie die Regeln in bestehende Gefässe integriert werden könnten, wurde das im Juni lancierte Sensibilisierungs-Projekt InfoPop des Kantons Waadt und ein sich in der Planung befindendes Serious Game von Swiss Institute for Global Affaires zur Thematik der Krisenvorsorge vorgestellt.

 

Als nächster Schritt werden die Regeln sprachlich weiterentwickelt und anschliessend mit unterschiedlichen Zielgruppen erprobt. Ein erstes Testformat findet bereits im Rahmen der Resilienzwochen 2026 in der Stadt Zürich statt. Die dort gewonnenen Rückmeldungen sollen dazu beitragen, die Regeln weiter zu schärfen und ihre Alltagstauglichkeit zu verbessern.

 

Der Workshop markiert einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu einem gemeinsamen Orientierungsrahmen für die Krisenvorsorge in der Schweiz. Die bisherigen Arbeiten zeigen, wie aus einer Vielzahl von Ideen schrittweise ein verständliches und praxisnahes Set von «Goldenen Regeln» entstehen kann. Die weitere Zusammenarbeit mit Bevölkerung, Verwaltung, Forschung und Praxispartner:innen wird nun entscheidend sein, um diese Regeln zu einem wirksamen Instrument der gesellschaftlichen Resilienz und Krisenvorsorge weiterzuentwickeln.

 

Ein herzlicher Dank gilt dem BABS für die tolle Kooperation, allen Beteiligten für die engagierte Mitarbeit, die konstruktiven Diskussionen und die wertvollen Beiträge zur Weiterentwicklung der «Goldenen Regeln für die Bevölkerung im Krisenfall».