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Digitale Kompetenzen stärken – gegen Radikalisierung und Extremismus
Extremismus bedroht nicht nur unsere Sicherheit, sondern auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gerade Jugendliche sind in ihrer Phase der Identitätsfindung anfällig für radikale Ideologien, insbesondere im digitalen Raum. Das vom Bund mitfinanzierte Projekt «Gaming against Extremism» stärkt deshalb die digitalen Kompetenzen von Jugendlichen. Das innovative Online Serious Game «Radical Choices» wurde Ende 2024 veröffentlicht und laufend weiterentwickelt.
Tim* ist 15 Jahre alt und verbringt seine Freizeit gerne online – auf TikTok, Instagram oder in Gaming-Communitys. Tim sucht wie viele Jugendliche Orientierung und Zugehörigkeit – und findet sie im digitalen Raum. Was harmlos klingt, kann extrem enden: Und zwar dann, wenn vermeintlich harmlose Videos im Feed auftauchen, die einfache Antworten auf komplexe Probleme liefern, Feindbilder schaffen, extremistische Ideologien verbreiten und damit eine Radikalisierung in Gang setzen. Der Bund legt deshalb im Rahmen des Nationalen Aktionsplans zur Verhinderung und Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus (NAP) seinen Fokus gezielt auf die Prävention von Radikalisierung junger Menschen und deren kritischen Umgang mit dem Internet und sozialen Medien. Das Projekt «Gaming against Extremism» von der Stiftung Risiko-Dialog, Dezentrum und Milena Giordano setzt mit seinem innovativen Serious Online Game «Radical Choices» genau hier an.
«Radical Choices» sensibilisiert spielerisch für Radikalisierungsmechanismen
Das Online Serious Game «Radical Choices» nutzt spielerisches Lernen und erreicht Jugendliche dort, wo sie sich wohlfühlen – im digitalen Raum. In einer sicheren und interaktiven Spielumgebung erfahren sie, wie extremistische Ideologien verbreitet werden und wie sie sich dagegen schützen können. «Mit dem Projekt «Gaming against Extremism» möchten wir Jugendliche für die Mechanismen der Radikalisierung sensibilisieren, sowohl online als auch offline», erklärt Anna-Lena Köng, Co-Projektleiterin der Stiftung Risiko-Dialog. Indem die Spieler:innen in die Rolle eines fiktiven Charakters schlüpfen, erleben sie hautnah die Dynamiken der Radikalisierung. Das Spiel zeigt auf, welche emotionalen Zustände besonders anfällig für extremistische Einflüsse machen und verdeutlicht, wie wichtig es ist, diese frühzeitig zu erkennen. «Realitätsnahe Szenarien fördern nicht nur die digitalen Kompetenzen der Jugendlichen, sondern schärfen auch ihr Bewusstsein für die Gefahren im Netz», ergänzt Yann Bartal, Co-Projektleiter von Dezentrum. Entwickelt wurde das Game vom Gaming-Studio 5am Games.
Eine neue Ressource für die Jugendarbeit
Das Projekt «Gaming against Extremism» richtet sich insbesondere an Fachpersonen, die direkt mit Jugendlichen arbeiten. Eine diverse Begleitgruppe aus erfahrenen Fachpersonen wurde in mehreren Feedbackrunden in die Entwicklung des Games involviert. Neben dem Game «Radical Choices» bietet das Projektteam Workshops an und stellt die Website radical-choices.ch mit einem umfassenden Glossar sowie einem Support-Kit zur Verfügung. «Diese Ressourcen unterstützen Fachpersonen dabei, das Thema Radikalisierung gezielt anzusprechen und auf die emotionalen Bedürfnisse der Jugendlichen einzugehen», sagt Milena Giordano, Co-Projektleiterin. Das Toolkit stellt dabei eine wertvolle Grundlage für die Reflexion und den Dialog in Jugendtreffs und anderen ausserschulischen Kontexten dar.
Weiterentwicklung und Ausbau des Projekts mit Fokus auf Empathie
Seit 2025 wird das Projekt «Gaming against Extremism» gezielt weiterentwickelt und ausgebaut. Um die Perspektive der Jugendlichen noch stärker einzubeziehen, wurde ein Jugendbeirat ins Leben gerufen. Gemeinsam mit dem bestehenden Expert:innen-Beirat begleitet er die inhaltliche Weiterentwicklung des Games «Radical Choices». Ziel ist es, die Spielinhalte weiter zu optimieren und noch stärker an den Lebenswelten der Jugendlichen auszurichten. Auch das begleitende Support-Kit wurde erweitert: Neben digitalen Materialien wurde auch ein analoges Kartenspiel sowie Stickers entwickelt – die nun zusammen als «Radical Choices Toolbox» bestellt werden können. Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Übersetzung ins Französische, um Game und Support-Kit auch französischsprachigen Jugendlichen sowie Fachpersonen zugänglich zu machen.
Im Jahr 2026 liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Förderung von Empathie. Dazu ist die Einführung eines «Empathie-Moduls» vorgesehen, das Themen wie Diversitätstoleranz, emotionale Intelligenz, Zugehörigkeitsgefühl und Perspektivübernahme gezielt stärkt. Diese sozial-emotionalen Kompetenzen gelten als wichtige Schutzfaktoren gegenüber extremistischen Ansprachen und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung der Resilienz von Jugendlichen.
Das Projekt «Gaming against Extremism»» geschieht im Rahmen des Nationalen Aktionsplans zur Verhinderung und Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus (2024, 2025, 2026) und wurde seit 2024 durch eine Vielzahl an Unterstützer:innen finanziert: Palatin Stiftung, Lotteriefonds Luzern, Swisslos-Fonds Basel-Stadt, Swisslos Kanton Aargau, Kanton Zug, Lotteriefonds Zug, Swisslos-Fonds Kanton Solothurn, Migros Kulturprozent, Dölker & Tobler Verbrauchsstiftung, Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG), Ernst Göhner Stiftung, Demokratie Stiftung Basel (DSB). Wir danken allen Unterstützer:innen herzlich!
*fiktiver Charakter
Foto von Yann Bartal