19. Februar 2026

Wie wirken Sicherheitsmassnahmen am Flughafen auf potenzielle Täter:innen? Welche Schritte werden bei der Tatplanung und Durchführung unternommen? Wo existieren mögliche Schwachstellen? Und wie erleben Passagier:innen die Sicherheitsmassnahmen? Antworten auf diese Fragen lieferte das dreijährige Kooperationsprojekt «Ready» der Kantonspolizei Zürich, der Stiftung Risiko-Dialog und HF Partners. Besonders wertvoll war das Zusammenführen der sich ergänzenden Kompetenzen der drei Organisationen, was wesentlich zum Projekterfolg beitrug.

 

 

Gestaltung durch Sicherheitsmassnahmen

Flughäfen gehören zur kritischen Infrastruktur jedes Landes. Es ist daher entscheidend, dass greifende Sicherheitsmassnahmen und Konzepte bestehen, um potenzielle Täter:innen abzuschrecken und die Sicherheit von Passagier:innen, Besuchenden und Mitarbeitenden jederzeit bestmöglich sicherzustellen. Wie wird das Sicherheitssystem Flughafen aus der Perspektive von potenziellen Täter:innen wahrgenommen? Welche Aspekte sind relevant für die Zielauswahl und Tatplanung und wo kann die Wirkung der Sicherheitsmassnahmen gezielt verstärkt werden, ohne dass sich dies negativ auf das Sicherheitsgefühl von Passagier:innen, Besuchenden und Mitarbeitenden auswirkt? Diese Fragen hat unser interdisziplinäres Kooperationsteam im Rahmen von «Ready» im Kontext Schweiz/Europa genauer untersucht.

 

 

Red Teaming als sinnvoller methodischer Ansatz

Über die gesamte Projektdauer hinweg hat sich Red Teaming als sehr wirkungsvoller Ansatz zur Analyse und Messung von Sicherheit am Flughafen herausgestellt. Dieser Ansatz fokussiert auf die Perspektivenübernahme des potenziellen Täters, womit allfällige Sicherheitslücken identifiziert werden können. Diese bereits in anderen Kontexten gut etablierte Methode erweist sich auch im Flughafenkontext als wertvoll. Durch das gezielte Hineindenken verschiedener Akteur:innen in die Täterrolle ergeben sich wertvolle Erkenntnisse für die Prävention, Intervention, Aus- und Weiterbildungszwecke wie auch die weitere angewandte Forschung. Hierzu wurden Vulnerability Scans angewendet, um die qualitativen Erkenntnisse mit einigen quantitativen Ergebnissen zu ergänzen.

 

 

Einsichten zum Informationsverhalten von Täter:innen, Wirkung von Sicherheitsmassnahmen & die Relevanz von KI

Im Verlauf der Projektarbeiten konnten sowohl Trends zum Informations-, Tatplanungs- und Durchführungsverhalten von potenziellen Täter:innen, als auch erste Einsichten zur Wirkung unterschiedlicher Sicherheitsmassnahmen eruiert werden – sowohl aus Sicht potenzieller Täter:innen als auch aus Sicht von Passagier:innen und Mitarbeitenden am Flughafen. Ein konkretes Tool, welches im Rahmen des Projekts entwickelt wurde, ist eine Table-Top-Übung zur Sensibilisierung der Polizeimitarbeitenden am Flughafen Zürich. Durch den Perspektivenwechsel, sowie die bewusste Einnahme einer Metaperspektive werden Potenziale sichtbar und Routinen und Arbeitsabläufe können kritisch hinterfragt werden. Diese angeleitete Reflexionsübung im Team ermöglicht ein gemeinsames mentales Probehandeln im Sinne von mentalen «Wenn-Dann»-Schlaufen, auf die man in einem Einsatz zurückgreifen kann, um besser mit Komplexität, hoher Unsicherheit und Dynamik umzugehen. Zudem wurde im Rahmen des Projekts der Dialog zum Thema KI und Security angestossen. Dadurch wurde die Auseinandersetzung damit, wie Täter:innen KI bereits heute nutzen und welche Chancen und Gefahren sich durch KI für die Luftfahrtsicherheit (Abwehr) und künftig in der aktiven Gefahrenbewältigung ergeben, bewusst initiiert. So entstand eine wichtige Grundlage für den weiteren Austausch – sowohl über KI als potenzielles Risiko bei möglichen Angriffen als auch über ihren Einsatz als Werkzeug in der Luftfahrtsicherheit.

 

 

Wirkungsvolle Verankerung der Projektergebnisse angestrebt

Die Einsichten des Ready-Projekts sind sehr vielseitig und für die unterschiedlichen Akteur:innen in der Sicherheitskette an Flughäfen interessant. Das Thema Flughafensicherheit (Fokus Security) bleibt weiterhin hoch dynamisch und relevant. Mit diesem Projekt wurden verschiedene Erkenntnisse und praktische Empfehlungen für das Schweizer Flughafensystem erarbeitet, die sich sowohl an die Polizei als auch an diverse Flughafenanbieter:innen sowie Forschungseinrichtungen richten. Die Bereitschaft, die Projektergebnisse in der Praxis zu nutzen und weiterzutragen, ist sehr gross. Das Projektteam ist sich einig, dass eine zeitnahe Weiterarbeit an den Themen sowie das gezielte Testen und Weiterentwickeln von Tools und Prototypen wesentlich sind, um auf den erarbeiteten Projekterkenntnissen aufzubauen. Denn langfristig profitiert die Security insbesondere dann, wenn der Status-Quo konstruktiv hinterfragt, unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt und Ideen gemeinsam weiterentwickelt werden.

 

Ein herzlicher Dank dem gesamten Ready-Team für die wertvolle und bereichernde Zusammenarbeit über die letzten drei Jahre und dem Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL für die Möglichkeit, dieses Projekt durchzuführen!