Wie können Gespräche über den Klimawandel gelingen, ohne in Streit oder Schweigen zu enden? Dieser Frage widmete sich der Workshop «Trotzdem reden» von apropos_clima am 16. September 2026 im Zürcher Rathaus. Im Rahmen der Demokratiewoche Zürich erprobten die Teilnehmenden, wie sie in persönlichen Gesprächen mit Widerstand, unterschiedlichen Werten und starken Emotionen umgehen können.
Klimawandel betrifft uns alle – doch Gespräche darüber sind oft herausfordernd. Schnell geht es nicht mehr nur um wissenschaftliche Fakten, sondern auch um persönliche Erfahrungen, Werte, Emotionen oder festgefahrene Positionen. Genau hier setzte der interaktive Workshop «Trotzdem reden» von apropos_clima, der gemeinsamen Initiative von Risiko-Dialog, catta und der Seedling Foundation, an.
Mit Aufstellungsübungen, Gesprächen in Zweiergruppen und Rollenspielen beschäftigten sich die Teilnehmenden damit, was gute zwischenmenschliche Klimakommunikation ausmacht. Als Grundlage dienten zunächst zentrale Botschaften zur Klimakrise: Sie ist real, ihre Folgen sind ernst, unter Fachleuten besteht ein breiter wissenschaftlicher Konsens – gleichzeitig gibt es Handlungsmöglichkeiten und damit Grund zur Hoffnung. Dabei wurde auch deutlich, dass Einigkeit über grundlegende Fakten nicht automatisch bedeutet, dass Menschen dieselben Schlüsse daraus ziehen. Unterschiedliche Werte, Lebenswelten und Erfahrungen prägen, wie Informationen eingeordnet und welche Massnahmen als sinnvoll wahrgenommen werden.
Zuhören statt überzeugen
Im Zentrum des Workshops stand deshalb weniger die Frage nach dem «richtigen Argument» als diejenige, wie ein Gespräch überhaupt offenbleiben kann. Thematisiert wurden typische Fallen in Klimagesprächen: etwa die Annahme, fehlendes Wissen sei der Hauptgrund für Ablehnung, eine moralisierende Gesprächsführung oder die Tendenz, auf abstrakte Fakten auszuweichen, statt auf das Gegenüber einzugehen.
Besonders greifbar wurde dies in einer Rollenspielübung. Die Teilnehmenden brachten typische «Widerstandszitate» aus Klimadiskussionen mit, tauschten diese untereinander aus und übten im direkten Gespräch mögliche Reaktionen darauf. Für einige war es überraschend intensiv, selbst in die Rolle einer widerständigen Person zu schlüpfen und die Dynamik eines solchen Gesprächs unmittelbar zu erleben.
Eine zentrale Erkenntnis: Gute Klimakommunikation beginnt nicht beim nächsten Argument, sondern beim Zuhören. Wer verstehen möchte, was hinter einer Aussage steckt, muss auch Werte, Erfahrungen und Bedürfnisse des Gegenübers ernst nehmen – und gleichzeitig die eigenen reflektieren.
Mit Formaten wie «Trotzdem reden» schafft apropos_clima Räume, in denen solche Ansätze praktisch erprobt und weiterentwickelt werden können. Die Initiative bündelt Wissen zur Klimakommunikation, vernetzt Fachpersonen und bringt Erkenntnisse aus Forschung und Praxis zusammen – mit dem Ziel, Gespräche über Klima auch dann möglich zu machen, wenn es schwierig wird.
PS: apropos_clima ist neu auch online: Auf der Website finden sich Informationen zur Initiative, zu Angeboten und Aktivitäten rund um wirksame Klimakommunikation.

