Physische KI hält zunehmend Einzug in unseren Alltag: in Unternehmen, Pflegeeinrichtungen oder den öffentlichen Raum. Unsere Projektleitenden Kimon Arvanitis und Anna-Lena Köng zeigen in einem Gastbeitrag im aktuellen KI-Newsletter von WEKA, weshalb wir die gesellschaftliche Debatte über Robotik jetzt führen sollten – und nicht erst, wenn die Technologie längst etabliert ist.
Physische KI bezeichnet Systeme, die nicht nur Daten verarbeiten, sondern in der realen Welt handeln. Roboter bewegen sich im Raum, interagieren mit Menschen und übernehmen körperliche Aufgaben. Das reicht vom Logistikroboter im Lager über Assistenzsysteme in der Pflege bis zu humanoiden Robotern im öffentlichen Raum. Gemeinsam ist ihnen: Was sie tun, kann direkte Auswirkungen auf Menschen haben. Darin liegen grosse Chancen – etwa bei körperlich belastender Arbeit oder in der Pflege – aber auch neue Risiken.
Vertrauen, Risikowahrnehmung und Verantwortung
Menschen reagieren auf Roboter anders als auf reine Software. Wie sicher oder bedrohlich ein System wahrgenommen wird, hängt nicht nur von technischen Kennzahlen ab, sondern auch von Faktoren wie Vertrautheit, Kontrollierbarkeit, persönlicher Betroffenheit oder der äusseren Gestaltung eines Roboters. Ein menschenähnlicher Roboter kann deshalb ganz andere Reaktionen auslösen als ein funktional gestalteter Industrieroboter – selbst wenn beide technisch ähnlich sicher sind.
Vertrauen entsteht entsprechend nicht allein durch funktionierende Technologie. Menschen müssen nachvollziehen können, was ein Roboter tut, wo seine Grenzen liegen, wer Entscheidungen verantwortet und wie eingegriffen werden kann, wenn etwas schiefläuft. Solche Fragen werden besonders relevant, sobald Robotik in sensible Bereiche wie Pflege, Schulen, Arbeitsplätze oder öffentliche Räume kommt.
Hinzu kommt die regulatorische Ebene. Der EU AI Act schafft für bestimmte Anwendungen physischer KI wichtige Leitplanken, unter anderem zu Transparenz, Nachvollziehbarkeit, Sicherheit und menschlicher Aufsicht. Auch für Schweizer Unternehmen können diese Vorgaben relevant sein, insbesondere wenn sie im europäischen Markt tätig sind. Regulierung allein beantwortet jedoch nicht die gesellschaftliche Frage, welche Rolle Roboter überhaupt übernehmen sollen und unter welchen Bedingungen ihr Einsatz akzeptiert wird.
Robotik frühzeitig gemeinsam gestalten
Genau hier setzt auch unsere Arbeit bei der Stiftung Risiko-Dialog an. Neue Technologien bringen nicht nur neue Möglichkeiten mit sich, sondern verändern auch Rollen, Erwartungen und unser Zusammenleben. Deshalb ist es wichtig, Chancen und Risiken frühzeitig sichtbar zu machen und unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen.
Gerade bei Robotik sollte die gesellschaftliche Diskussion nicht erst beginnen, wenn Anwendungen bereits zum Alltag gehören. Solange Entwicklungen noch offen sind, ist der Gestaltungsspielraum am grössten. Im Zentrum stehen für uns deshalb Fragen wie: Welche Anwendungen sind sinnvoll? Wo liegen Grenzen? Wie werden Risiken wahrgenommen? Und unter welchen Bedingungen kann Vertrauen entstehen?
Unser Ziel ist es, solche Fragen frühzeitig zur Diskussion zu stellen und damit eine verantwortungsvolle Gestaltung neuer Technologien zu unterstützen.
Der vollständige Beitrag «Roboter verlassen das Labor – wie gehen wir damit um?» von Kimon Arvanitis und Anna-Lena Köng ist in der Juli-/August-Ausgabe 2026 des KI-Newsletters von WEKA Business Media erschienen.