24. Mai 2026

Die Schweizer Bevölkerung blickt differenziert auf die digitale Zukunft: Während viele Menschen Chancen in Künstlicher Intelligenz sehen und technologische Innovation aktiv mitgestalten möchten, wachsen gleichzeitig die Sorgen über den Mangel digitaler Souveränität, den Schutz persönlicher Daten sowie die negativen Auswirkungen der Digitalisierung auf Gesellschaft und Zusammenleben. Der neue DigitalBarometer 2026 zeigt, wie ambivalent die Stimmung gegenüber der Digitalisierung geworden ist und wo aus Sicht der Bevölkerung sowohl die grössten Herausforderungen als auch konkrete Chancen zur Gestaltung einer vertrauenswürdigen digitalen Zukunft liegen.

 

 

Der DigitalBarometer 2026 der Stiftung Risiko-Dialog, unterstützt von der Mobiliar und erstmals in Partnerschaft mit digitalswitzerland durchgeführt, untersucht die Wahrnehmungen und Bedürfnisse der Schweizer Bevölkerung im digitalen Wandel. Die diesjährige Ausgabe zeigt: Die Schweiz befindet sich an einem digitalen Wendepunkt. Zwar bewertet fast jede zweite Person die Chancen von KI in den nächsten fünf Jahren höher als die Risiken, gleichzeitig kippt jedoch die allgemeine Stimmung gegenüber der Digitalisierung erstmals seit 2020 ins Negative. Besonders die gesellschaftlichen Auswirkungen werden zunehmend kritisch wahrgenommen.

 

Die Ergebnisse verdeutlichen auch die hohe Bedeutung von Vertrauen im digitalen Raum und damit eine klare Chance für digitale «Made in Switzerland»-Angebote: 83 Prozent der Bevölkerung geben an, dass ein solches Label das Vertrauen in einen digitalen Dienst steigern würde. Gleichzeitig geniesst der Staat als Verantwortungsträger bei sensiblen digitalen Anwendungen wie der E-ID oder dem digitalen Patientendossier deutlich mehr Vertrauen als private Unternehmen. Die Studie zeigt damit auch, wie eng digitale Zukunftsfragen mit Themen wie Souveränität, Transparenz und Governance verbunden sind.

 

 

KI verändert Alltag und Kompetenzen

Die Studie untersucht 2026 erstmals umfassend die KI-Kompetenzen der Schweizer Bevölkerung. Dabei zeigt sich ein überraschend differenziertes Bild: Viele Menschen schätzen sich als reflektiert im Umgang mit KI ein und erkennen gesellschaftliche Risiken sowie Auswirkungen auf Demokratie, Meinungsbildung und Sicherheit. Gleichzeitig bestehen deutliche Lücken bei konkreten Anwendungsfähigkeiten und beim Wissen über KI-basierte Betrugsformen oder Datenschutzmechanismen.

 

Auch die digitale Kluft bleibt eine Herausforderung. 38 Prozent der Bevölkerung verfügen nicht über ausreichende digitale Grundkompetenzen. Besonders betroffen sind Menschen mit tiefer Bildung, armutsbetroffene Personen und hochaltrige Menschen.

 

Gleichzeitig verändert KI die Art und Weise, wie digitale Kompetenzen überhaupt genutzt und verstanden werden. Der DigitalBarometer deutet darauf hin, dass sich digitale Alltagspraktiken aktuell grundlegend verändern und damit auch ein Anpassungsbedarf bei der Definition und Messung digitaler Grundkompetenzen entsteht.

 

 

Wunsch nach Orientierung und klaren Leitplanken

Die Ergebnisse zeigen zudem eine klare Erwartungshaltung in der Bevölkerung: Die Schweiz soll neue Technologien aktiv mitgestalten. 59 Prozent sprechen sich dafür aus, dass die Schweiz Innovationen wie KI strategisch fördert. Ein weiteres zentrales Ergebnis ist die hohe Priorisierung von Datenschutz: 76 Prozent der Befragten stellen den Schutz persönlicher Daten über digitalen Komfort. Ebenfalls auf breite Zustimmung stossen strengere Regeln gegen Desinformation und Hassrede: 69 Prozent befürworten entsprechende Massnahmen, auch wenn diese mit möglichen Einschränkungen der Meinungsfreiheit einhergehen.

 

Der DigitalBarometer macht damit deutlich: Die Bevölkerung erwartet nicht nur technologische Innovation, sondern auch Orientierung, Mitsprache und klare gesellschaftliche Leitplanken. Vertrauen entsteht dort, wo digitale Transformation nachvollziehbar, transparent und gemeinsam gestaltet wird. Die Studie versteht sich deshalb nicht nur als Stimmungsbild, sondern auch als Grundlage für konkrete Projekte, Bildungsangebote und Dialogformate rund um die digitale Zukunft der Schweiz.

 

Alle Erkenntnisse und Kennzahlen findet ihr im DigitalBarometer 2026. Die Projektleiterinnen Anna-Lena Köng und Daniela Ramp stehen gerne bei Fragen und Anregungen zur Verfügung.