Individuelles Verhalten im sozialen Kontext

Erstellt: 23. März 2012

Zielgruppengerechte Risikokommunikation

Bei einer Vielzahl von Risiken herrscht weitgehend Konsens darüber, dass sie zu vermeiden sind und welche Massnahmen dazu nötig sind. Dabei stellt sich die Frage: Wie können Menschen motiviert werden, sich adäquat zu verhalten?

 

In den Projekten der Stiftung Risiko-Dialog – etwa zum Klimawandel oder dem Schutz vor Naturgefahren – stellt sich zunehmend die Frage, wie Menschen für ein bestimmtes Verhalten motiviert werden können, um Prävention zu betreiben oder sich während eines Ereignisses adäquat zu verhalten. Bei Hochwasser zum Beispiel können Schäden durch bauliche Massnahmen vermieden werden. Ähnliche Fragestellungen finden sich auch im Bereich der IT-Sicherheit. In Organisationen werden Mitarbeitende von der IT-Sicherheitsabteilung oft zu zwar fachlich richtigen Massnahmen aufgefordert, die sie in ihrer täglichen Arbeit aber behindern (zum Beispiel häufige Passwortwechsel).

Die Praxis zeigt, dass es durchaus möglich ist, Menschen zu aktivem Handeln zu bewegen. So existieren lokale Initiativen, die Aussenstehende erfolgreich zum Mitmachen motivieren. In der Ostschweiz engagiert sich beispielsweise der Verein «energietal toggenburg». Sein Ziel ist es, die gesamte Region Toggenburg in eine energieautarke Region zu verwandeln. Dieses kann der Verein nicht alleine erreichen, sondern ist darauf angewiesen, dass die  Bewohner, die lokale Politik und im Tal ansässige Unternehmen mitmachen.

Menschen intuitiv ansprechen
Aus der Risikoforschung ist bekannt, dass subjektives Wissen und Emotionen einen starken Einfluss auf die Risikowahrnehmung und damit auch auf das Verhalten haben. Nicht ganz einfach zu beantworten ist die Frage, wie man Risiken in der Praxis zielgruppengerecht und wirkungsvoll kommuniziert. Es zeigt sich, dass rein abstrakte Information (in Form von Zahlen oder Diagrammen) weniger dazu geeignet ist, als Massnahmen, die Menschen zusätzlich auf intuitiv-affektive Weise ansprechen.

Die Wirkung von derartig ausgerichteten Botschaften ist unter anderem damit zu erklären, dass sie Aufmerksamkeit erregen, Emotionen auslösen, stärker in Erinnerung bleiben und als Folge längerfristig in Entscheidungsprozesse einfl iessen. Wichtige Elemente dabei sind die Visualisierung (zum Beispiel Fotos, Filme, Analogien, Metaphern etc.), «stellvertretende Erfahrungen» (zum Beispiel Erzählungen anderer Personen) und vor allem auch Gruppendiskussionen. Sie stärken Beziehungen, beziehen Individuen in Gruppen ein und dienen dem Erfahrungsaustausch.

Information zur richtigen Zeit Kenntnisse von Wissenslücken und Wahrnehmungskonzepten der Zielgruppen sind ein weiteres Element einer effi zienten Kommunikation. Neue Technologien (zum Beispiel Smartphones) erlauben neue Vorgehensweisen. Sie können helfen, Informationsbedürfnisse zu erfassen und direkt Feedback zu geben (wie visuelle Hinweise auf Bremswege, abhängig von Strassenverhältnissen). Zudem ermöglichen sie es, personalisierte Informationen genau zu dem Zeitpunkt zu liefern, zu dem sie für die Nutzer relevant sind, ohne dass diese mit Informationen überfl utet werden.

Wenn in verwandten Gebieten (zum Beispiel im Gesundheitsbereich) versucht wird, die aff ektiv-intuitive Verarbeitung anzuregen, geschieht dies oft in Form von Botschaften, die Angst erzeugen. Diese können zwar erfolgreich sein, bergen aber eine Gefahr. Bei übermässiger Angst kann es zu Gefühlen der Machtlosigkeit und einer Verneinung der Gefahr zu führen. Es gilt also zu untersuchen, wie Menschen die Wirksamkeit von Präventionsmassnahmen beurteilen und wie sie ihre eigenen Fähigkeiten einschätzen, Personen und Sachwerte vor Gefahren zu schützen (zum Beispiel: «Ich kann mit der Kontrolle der Abfl üsse auf meinem Flachdach dazu beitragen, mein Haus vor Wasserschäden zu schützen.»). Es gilt, gezielt die Überzeugungen zur Selbstwirksamkeit zu stärken. Dies fördert risikogerechtes Handeln. Klar ist, dass bei der Kommunikation auch soziologische Aspekte zu beachten sind. Menschen orientieren sich stark am Verhalten der Personen in ihrem Umfeld. Es lohnt sich deshalb, nicht nur auf individuelle Verhaltensänderungen hinzuwirken, sondern auch aktiv auf eine Änderung der Kultur und der sozialen Normen eines Umfelds. Individuelles Wahrnehmen und Handeln geschieht immer im gesellschaftlichen Kontext.

Stiftung Risiko-Dialog St. Gallen | Hirtenweg 7 | 9010 St. Gallen | Tel. +41 52 551 10 01 | info@risiko-dialog.ch
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