riskMAIL 1/2007 - Der Fall BP

Erstellt: 09. Februar 2007

Liebe riskMail–Leserinnen und -Leser

Die aktuellen Ereignisse um den „Fall BP“, der Rücktritt des Konzernchefs und der Baker-Bericht zeigen das Zusammenspiel von Risikokommunikation und Risikomanagement und vor allem, wie schnell ein Konzern sein Image verspielt. Wir wünschen eine interessante Lektüre.

Ihr Risiko-Dialog-Team

Der Fall BP

Der britische Ölkonzern BP galt jahrelang als ökologisch vorbildliches Energieunternehmen, das beim Umweltschutz in der Ölbranche die Massstäbe setzte und sich - „beyond petroleum“ - mit dem Thema Klimaschutz beschäftigte. Nun hat BP sein glänzendes Image innerhalb kürzester Zeit verspielt. Beim schwersten Industrieunfall der USA der letzten zehn Jahre kamen 2005 bei der Explosion einer BP-Raffinerie in Texas 15 Arbeiter ums Leben, 200 wurden verletzt. Durch lecke BP-Pipelines flossen in Alaska im Frühjahr 2006 800'000 Liter Öl aus. Kontinuierliche Klagen der Mitarbeiter vor Ort über den schlechten Zustand der Pipeline vor dem Unfall wurden lange nicht wahr- bzw.

ernstgenommen. Nun wirft die Untersuchungskommission des ehemaligen US-Aussenministers James Baker BP in ihrem kürzlich veröffentlichten Bericht schwere Sicherheitsmängel vor. Es drohen Klagen in Milliardenhöhe.

Lord John Browne, Konzernchef und Aushängeschild von BP und des britischen Topmanagements, trat kurz vor der Veröffentlichung des Berichts frühzeitig zurück. „…ein zur Selbstherrlichkeit neigender Unternehmenslenker, umgeben von katzbuckelnden Hofschranzen, der nicht mehr sieht, was an der Basis geschieht. Und dort hat es haarsträubende Pannen und Schlampereien gegeben, die Menschenleben gekostet haben….“, kommentierte die Financial Times.

::: Baker Panel Report
::: BP Pressemitteilung zum Rücktritt von Lord Browne
::: Dossier Financial Times

 

Risikomanagement als Abweichungsmanagement

Erkenntnisse aus der Katastrophenforschung zeigen, dass sich die meisten Katastrophen, Unfälle und Krisen frühzeitig ankünden, so wohl auch im Fall BP: seit mehren Jahren klagten Mitarbeiter vor Ort über den schlechten Zustand der Pipeline oder über schwere Sicherheitsmängel in den Raffinerien. Zentral ist es, diese in der Regel leisen, kleinen und schleichenden Indikatoren frühzeitig zu erkennen bzw. wahrzunehmen. Die Achtsamkeit auf Abweichungen ist daher ein zentrales Element für die Früherkennung von Krisen und Katastrophen. In stark erfolgsorientierten Unternehmen kommt dies jedoch oft zu kurz, wie der Skandal um BP eindrücklich zeigt. BP wird vorgeworfen: „profits over safety“

Bücher wie „Das Unerwartete managen“ von Weick/Sutcliffe stellen dar, wie wichtig die allgemeine Grundhaltung einer Organisation für den Umgang mit Risiken ist.

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In eine ähnliche Richtung zielt David Apgar, er geht von zwei Kategorien von Risiken aus: „knowable and therefore learnable, and unknowable and therefore difficult to prepare for“. Der Autor stellt in seinem Buch „Risk Intelligence. Learning to Manage What We Don't Know” ein Modell vor, mit dessen Hilfe Risiken aus unternehmerischer Sicht besser analysiert und gemanagt werden können.

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