Veranstaltungsrückblick: "Risiko: Was uns bewegt!"

Erstellt: 06. August 2007

Die Stiftung Risiko-Dialog besuchte im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Risiko – Was uns bewegt!“ den neuen Uetlibergtunnel. Sicherheit in Strassentunnels und Risiken im Tunnelbau – mit diesen Themen beschäftigen sich die Verantwortlichen des Tunnelbaus täglich. Grösstmögliche Sicherheit nach den neusten Standards ist das Ziel. Mit welchen Risiken mussten sich die Verantwortlichen während der Planungs- und Bauphase auseinander setzen? Und wie kann zukünftig die grösstmögliche Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer im Tunnel gewährleistet werden? Antworten auf diese und weitere Fragen bekamen die Besucher durch drei Fachreferate und einen Rundgang durch den Tunnelabschnitt Ettenberg.

 

Uetlibergtunnel, Westumfahrung Zürich
Anlass vom Donnerstag, 25. Januar 2007

Fabrina Cerf

Der Uetlibergtunnel wird nach seiner Eröffnung im Jahr 2008 das Zürcher Strassennetz mit der A3 nach Chur verbinden. Der Rohbau des 1,12 Milliarden-Projekts wurde vor rund einem Monat fertig gestellt.

Risiken während der Bauphase
Stefan Maurhofer, Gesamtprojektleiter des Uetlibergtunnels, und Michael Glättli, Projektleiter, führten die Besucher durch den Tunnel. Stefan Maurhofer erwähnte dabei Tunnelbau-Risiken wie die Sprengung der Tunnelröhre: Ein kritisches Unterfangen war beispielsweise die Unterquerung der Bahnlinie Birmensdorf-Bonstetten; der Bahntunnel befindet sich gerade einmal sechs Meter oberhalb des Uetlibergtunnels. Um den Bahnverkehr nicht zu beeinträchtigen, hatten die Sprengmeister pro Tag zwei Zeitfenster à zwölf Minuten für Sprengung und Kontrolle. Nach jeder Sprengung kontrollierte der Schienenwart der SBB das Schienennetz gründlich, bevor der nächste Zug die Strecke passierte.

Auf Bedürfnisse der Anwohner eingehen
Teilweise führt der Uetlibergtunnel auch direkt unter bewohntem Gebiet durch. Um eine unnötige Beunruhigung der betroffenen Anwohner zu vermeiden, wurde ein Informationsnetz eingerichtet; kurz vor jeder Sprengung wurden diese per Telefon oder SMS informiert.

In seinem Referat wies Stefan Maurhofer auf die Sicherheitsmassnahmen für die Arbeiter im Tunnelbau hin. Diese müssen fortlaufend für mögliche Gefahren sensibilisiert werden, um Arbeitsunfälle aus Unachtsamkeit möglichst zu verhindern. Ausserdem muss für jede Situation ein durchdachtes Notfallkonzept zu Verfügung stehen. Wie Stefan Maurhofer ausführte, ist eine reibungslos funktionierende Zusammenarbeit mit verschiedenen Stellen, wie beispielsweise der Feuerwehr, auch hier zentral, um im Notfall schnell und richtig handeln zu können.

Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer
Auf die Risiken für die Verkehrsteilnehmer nach der Eröffnung des Tunnels ging Dr. Nikolaus Seifert, Sicherheitsexperte für Strassen- und Schienentunnels, in seinem Referat ein. Er wies darauf hin, dass Strassentunnels zu den sichersten Strassenabschnitten gehören, da die Unfallrate im Vergleich zu offenen Strecken nur halb so gross ist. Falls in einem Tunnel jedoch ein Unfall geschieht, kann dies dramatische Folgen haben, wie die letzten grossen Tunnelunglücke im Mont Blanc-Tunnel, im Gotthard, im Tauern-Tunnel oder im September 2006 im Viamala-Tunnel gezeigt haben. Nikolaus Seifert betonte jedoch, dass es sich bei all diesen, im Gegensatz zum Uetlibergtunnel, um Gegenverkehrstunnels handelt, was mit Abstand den grössten Risikofaktor darstellt.

Fluchtwege, Standstreifen und Lüftung als Sicherheitselemente
Während der Begehung des Tunnelabschnitts erläuterten Stefan Maurhofer und Michael Glättli die vielen Sicherheitselemente des Uetlibergtunnels, die dem neusten Stand der Sicherheitstechnik entsprechen. So befinden sich alle 150 Meter SOS-Nischen; alle 300 Meter führen Quergänge in die zweite Tunnelröhre, die im Falle eines Brandes als Fluchtwege dienen. Über einer Zwischendecke befindet sich ein Abluftkanal, durch den der Rauch direkt über der Unfallstelle aus dem Tunnel abgesogen werden kann. Neben den beiden Fahrspuren ist zudem je ein Standstreifen vorgesehen, so dass Pannenfahrzeuge den übrigen Verkehr nicht behindern. Im Ausland teilweise längst Standard, ist der Uetlibergtunnel der erste Strassentunnel der Schweiz, welcher diese Sicherheitsmassnahme berücksichtigt. Daneben werden aber auch rein psychologische Sicherheitselemente integriert, wie beispielsweise der weisse Anstrich der Wände. Paul Meili, Gesamtprojektleiter der Westumfahrung, der die Risiken im Tunnelbau aus Sicht des Bauherrn darlegte, wies in seinem Referat darauf hin, dass solche Sicherheitsaspekte bereits bei der Planung des Projekts miteinbezogen werden müssen. Dies auch aus wirtschaftlichen Gründen, um später teure Nachrüstungen des Tunnels vermeiden zu können.

Beim anschliessenden Brunch in der Bauarbeiter-Kantine Stolläbeiz nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wirtschaft, Verwaltung und von NGOs die Gelegenheit für Diskussionen und Fragen – und natürlich zum Aufwärmen.

Vor Ort nachzufragen, neben Zahlen und Statistiken ein „Gefühl“ für Risiken zu bekommen, das ist das Ziel der Veranstaltungsreihe „Risiko – Was uns bewegt!“ der Stiftung Risiko-Dialog. Der nächste Anlass findet voraussichtlich Ende August/Anfangs September 2007 statt. Informationen dazu werden auf der Website der Stiftung Risiko-Dialog publiziert.

26. Januar 2007

Fragen an: Marianne Hager-Huber, Öffentlichkeitsarbeit
Stiftung Risiko-Dialog, Zürcherstrasse 12, 8400 Winterthur Tel. 052 262 76 11,
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