Knapp zwei Jahre nach Veröffentlichung des Hintergrundpapiers zu Negativ-Emissionstechnologien der Stiftung Risiko-Dialog hat sich klimapolitisch viel getan – die für das Klimaziel Netto-Null bis 2050 notwendigen massiven Reduktionen der Treibhausgasemissionen stehen jedoch bisher nur auf dem Papier. Samuel Eberenz, an der ETH promovierter Klimarisiko-Experte, wird bei der Stiftung Risiko-Dialog die öffentliche Auseinandersetzung mit Reduktionspfaden und Negativ-Emissionen weiter vorantreiben – um zur nachhaltigen Skalierung effektiver Klimaschutz-Massnahmen in der Schweiz beizutragen.

 

Ohne konsequenten Klimaschutz müssen wir in der Schweiz bis 2060 auf vermehrte Dürren und Hitzewellen, intensiverer Extremniederschläge und einer radikalen Veränderung des alpinen Raums einstellen. Nur durch einen konsequenten Klimaschutz lässt sich der grösste Anteil der möglichen Klimaveränderungen in der Schweiz und weltweit noch vermeiden (mehr Infos: Klimaszenarien für die Schweiz CH2018). Zu Beginn 2021 verabschiedete der Bundesrat seine langfristige Klimastrategie, die primär auf eine starke Reduktion der Treibhausgasemissionen aus fossilen Brennstoffen setzt. Daneben beinhaltet die Strategie aber auch technologische Möglichkeiten, um die Netto-Null Ziele trotz der bislang ungenügenden Emissionsreduktionen zeitgerecht erreichen zu können. Neue Technologien und Ansätze wie die der Negativ-Emissionen ermöglichen die Entfernung von Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre. Laut eines Faktenblatts des Bundesamts für Umwelt BAFU wird die Kernaufgabe von Negativ-Emissionen in der Schweiz sein, ‘unvermeidbare’ Emissionen auszugleichen und auf diese Weise das übergeordnete Ziel Netto-Null für alle Treibhausgase bis 2050 zu ermöglichen.

 

Um das Verständnis und den Dialog rund um Negativ-Emissionen zu fördern, führte die Stiftung Risiko-Dialog bereits 2017 bis 2019 im Auftrag des BAFU Stakeholder-Dialoge mit Expert*innen. Mehr als 25 Stakeholder aus verschiedenen NGOs, Behörden, Wissenschaften, der Wirtschaft und Politik teilten in diesem Rahmen ihre Einschätzungen. Sie warnten, dass der Rückgang von CO2-Emissionen ab 2020 unerlässlich ist, um zukünftige Klimarisiken auf ein erträgliches Niveau zu begrenzen. Die Möglichkeit diverser Ansätze zur Reduktion von Netto-Emissionen durch Negativ-Emissionen und deren soziale, ökologische und ethische Implikationen werden daher unter Forscher*innen zunehmend diskutiert – beispielsweise die Frage, wohin mit all dem CO2, nachdem es der Atmosphäre entzogen wurde – und wie lange wird es dort verbleiben? Durch ihre führende Rolle in Forschung und Entwicklung von Negativ-Emissionsansätzen kann die Schweiz eine aktive Rolle übernehmen, um die Ziele von Paris zu erreichen. Dafür braucht es eine nachhaltige und skalierbare Umsetzung – getragen von allen Akteuren und basierend auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dies spiegelt sich jedoch in aktuellen politischen Plänen kaum wider.

Die Stiftung Risiko-Dialog erkannte bereits früh, dass es unbedingt eine offene gesellschaftliche Diskussion braucht, um eine Basis für begründete und breit abgestützte Entscheidungen zu schaffen. Daher will die Stiftung Risiko-Dialog zusammen mit relevanten Akteuren zur Informationslage zum Thema Negativ-Emissionen in der Schweiz beitragen, eine öffentliche Debatte zum Thema anzustossen und die Entwicklung und Umsetzung nachhaltiger Lösungsansätze zu unterstützen. Zu diesem Zweck initiiert das Team rund um Christoph Beuttler, Matthias Holenstein, Jan Berli und Samuel Eberenz dieses Jahr die Swiss Carbon Removal Platform . Ziel der Plattform wird es sein, den Austausch zu Chancen, Risiken und Skalierung negativer Emissionstechnologien in der Schweiz weiter voranzutreiben – und innovative Ansätze auf dem Weg zur Umsetzung zu begleiten.

 

:::::::::::::::::::

 

Seit Anfang April 2021 arbeitet Samuel Eberenz als Projektleiter bei der Stiftung Risiko-Dialog. Nach Studium und Arbeitserfahrungen bei einer Umweltschutzorganisation und einem Start-Up promovierte Samuel zuletzt bei Prof. David Bresch an der ETH Zürich zu Wetter- und Klimarisiken. Nebenberuflich widmet er sich schon länger dem Austausch und Kommunikation an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, gesellschaftlicher Relevanz und Literatur – etwa als Redaktor für Wissenschafts-Lyrik oder als Mitbegründer des Labors mit Utopieverdacht. Wir freuen uns über die Verstärkung durch Samuel mit Schwerpunkt im Themenfeld «Klima und Energie»!

 

Hier eine Auseinandersetzung mit dem Klimawandel in seinen eigenen Worten:

 

anthropo-obscenity

some of the anthropoi
computerised their ancestors’ theories
to a degree – or more –
making everyone look ahead
with uncertainty

 

trained as ‘modest witnesses’
to nature’s unlimited courtesies
they’ve become witnesses in court
on behalf of those young enough
to be living – very likely –
through one of the scenarios
pinned down in their parents’ reports

 

as the windows are closing
some have grown
tired
repeating the names of geological epochs
in endless responses to their peers

 

and gaia?
– always been a slow reader –
dreams herself away
into an unexpected
escape from fate

 

Quelle: Consilience Journal, https://www.consilience-journal.com/si/geoscience/anthropo-obscenity