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Solar Radiation Modification: Was bedeutet SRM für die Schweiz?

Was würde es für die Schweiz bedeuten, wenn künftig gezielt in die Sonneneinstrahlung eingegriffen würde, um die Erderwärmung abzuschwächen? Im Rahmen einer interdisziplinären Technology-Assessment-Studie von TA-SWISS untersuchen wir gemeinsam mit unseren Projektpartner:innen die möglichen Auswirkungen von Solar Radiation Modification (SRM) auf die Schweiz. Im Fokus stehen politische, wirtschaftliche, rechtliche, gesellschaftliche, ökologische und ethische Fragen – und die Frage, welche Handlungsoptionen sich daraus für die Schweiz ergeben.

 

 

Solar Radiation Modification (SRM) bezeichnet technische Verfahren, die einen Teil der einfallenden Sonnenstrahlung zurück ins All reflektieren, um die globale Temperatur zu senken, ohne die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre zu verändern. Im Zentrum der Studie steht die Stratosphärische Aerosol-Injektion (SAI), bei der reflektierende Partikel in die Stratosphäre eingebracht würden. Sie gilt als einer der derzeit am besten verstandenen SRM-Ansätze und dient im Projekt als Ausgangspunkt; weitere Ansätze werden zur Einordnung und Kontextualisierung berücksichtigt.

 

SRM ist hoch umstritten. Die Auseinandersetzung damit bedeutet jedoch weder, die Anwendung solcher Technologien zu befürworten, noch die Notwendigkeit einer konsequenten Reduktion von Treibhausgasemissionen infrage zu stellen. Vielmehr geht es darum, frühzeitig Wissen darüber aufzubauen, welche Entwicklungen auf die Schweiz zukommen könnten und wie sie darauf reagieren kann.

 

 

Sich mit SRM beschäftigen, bevor andere Fakten schaffen
Die Forschung zu SRM entwickelt sich international weiter. Gleichzeitig stellen sich grundlegende Fragen zur Regulierung und Governance: Wer entscheidet, ob, wann und unter welchen Bedingungen solche Technologien erforscht oder eingesetzt werden dürfen? Was geschieht, wenn einzelne Staaten oder private Akteur:innen eigenständig handeln? Welche Risiken entstehen durch eine Anwendung – und welche durch einen bewussten Verzicht darauf?

 

Auch wenn die Schweiz selbst keine Anwendung von SRM plant, könnte sie von internationalen Entwicklungen direkt oder indirekt betroffen sein. Mögliche Auswirkungen reichen vom Klima und Wasserhaushalt über Landwirtschaft und Energieversorgung bis hin zu internationalen Beziehungen und rechtlichen Fragen. Hinzu kommen gesellschaftliche und ethische Fragen: Welche Risiken wären akzeptabel? Welche Leitplanken braucht die Forschung? Wie können Entscheidungen legitimiert werden? Und welche Rolle kann und soll die Schweiz in der internationalen Debatte übernehmen?

 

Genau deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig und ergebnisoffen mit SRM auseinanderzusetzen. Governance-Strukturen, wissenschaftliches Wissen, Monitoring und gesellschaftliches Vertrauen lassen sich nicht kurzfristig aufbauen. Eine unabhängige Wissensbasis ermöglicht es Politik und Gesellschaft, eine informierte Haltung zu entwickeln – auch dann, wenn diese letztlich gegen einen Einsatz bestimmter Technologien oder für ein Verbot spricht.

 

 

Von der Analyse zu konkreten Handlungsoptionen

Die Studie schafft eine unabhängige und ausgewogene Grundlage für die gesellschaftliche und politische Meinungsbildung. Neben einer Auslegeordnung der Technologien untersucht sie Chancen und Risiken aus unterschiedlichen Perspektiven und bezieht auch die Wahrnehmung und Einstellung der Bevölkerung ein.

 

Durchgeführt wird das Projekt gemeinsam mit Perspectives Climate Research. Die Stiftung Risiko-Dialog übernimmt die Projektleitung und wirkt an Recherche, Analyse und Interviews mit. Darüber hinaus gestalten und moderieren wir Workshops und tragen zur Verbreitung und Kommunikation der Ergebnisse bei. Dabei bringen wir unsere Erfahrung im Umgang insbesondere mit gesellschaftlichen Fragestellungen rund um Klima und Risiken ein.

 

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Szenarien und Handlungsoptionen für die Schweiz. Gemeinsam mit den Projektpartner:innen untersuchen wir nicht nur, was SRM für die Schweiz bedeuten könnte, sondern auch, wie unterschiedliche Entwicklungen aussehen könnten und welche Handlungsmöglichkeiten sich daraus ergeben. Damit soll die Studie Orientierung in einem Themenfeld schaffen, in dem technologische Entwicklungen, globale Abhängigkeiten und gesellschaftliche Wertvorstellungen eng miteinander verbunden sind.

 

Denn gerade bei einer Technologie, die man kritisch beurteilt, ist es wichtig zu verstehen, welche Entwicklungen möglich sind und wie man ihnen begegnen kann. Sich mit SRM auseinanderzusetzen, heisst nicht, SRM zu befürworten. Es heisst, vorbereitet zu sein und eine fundierte gesellschaftliche und politische Diskussion zu ermöglichen.

Metadaten

Projekttyp

Analyse von Perspektiven und Debatten

Kunde

TA-Swiss

Projektstart

1. August 2026

Projektende

30. November 2027

Projektland

Schweiz

Ansprechpartner

Lukas Fehr, Samuel Eberenz

Partner

Perspectives Climate Group

Topic

Klima und Energie