Im neusten Projekt untersucht die Stiftung Risiko-Dialog im Auftrag des BAG, AWEL und BLV die Möglichkeiten des Einsatzes von Nudging zur Verbesserung des UV-Schutzverhaltens in der Schweizer Bevölkerung. UV-Strahlung schädigt ab einer gewissen Intensität unsere Haut und unsere Augen und führt im schlimmsten Fall zu Hautkrebs. Obschon dieses Wissen in der Bevölkerung relativ verbreitet ist, steigt die Häufigkeit von Hautkrebserkrankungen ständig weiter an. Die Schweiz belegt beim Auftreten von Hautkrebs weltweit sogar einen Spitzenplatz. Wie kann folglich ein adäquates Sonnenschutzverhalten unterstützt werden? Da direkte Ratschläge und Informationskampagnen an ihre Wirksamkeitsgrenzen stossen, sind alternative Ansätze gefragt.

Ein Ansatz, der viel Potenzial verspricht, ist «Nudging». Nudging – zu Deutsch «Stupsen» – stammt aus der Verhaltensökonomie, welche die Schnittstelle zwischen Psychologie und Ökonomie bildet. Ziel von Nudging ist es, Menschen mit indirekten Anreizen und basierend auf psychologischen Mechanismen zu einem gewünschten Verhalten zu bewegen.

Der Begriff wird seit 2008 durch Richard Thaler und Cass Sunstein geprägt und wie folgt definiert: «Unter Nudge verstehen wir also alle Massnahmen, mit denen Entscheidungsarchitekten das Verhalten von Menschen in vorhersagbarer Weise verändern können, ohne irgendwelche Optionen auszuschliessen oder wirtschaftliche Anreize stark zu verändern. Ein Nudge muss zugleich leicht und ohne grossen Aufwand zu umgehen sein.» In jüngster Vergangenheit wurden Nudges auch vermehrt im Kontext der strategischen Risikokommunikation, spezifisch im Rahmen von Präventionsbemühungen im Gesundheitsschutz, intensiv diskutiert – so bspw. bei der Förderung von gesundheitsbewusster Ernährung in Kantinen.

In der Öffentlichkeit wird Nudging jedoch zum Teil auch kontrovers diskutiert. Ein häufiger Vorwurf gegenüber Nudging ist, dass es sich dabei um eine Form von Manipulation handelt. Zwar soll ein Nudge per Definition immer dem Wohl der Person dienen, jedoch kann unter dieser Prämisse die autonome Selbstbestimmung von Menschen in Frage gestellt werden. Diese Bedenken müssen ernst genommen werden, insbesondere wenn der Absender des Nudges eine staatliche Stelle ist. Entsprechend werden im Projekt wichtige Rahmenbedingungen, wie bspw. Transparenz bei der Entwicklung und Kommunikation von Nudges, berücksichtigt.

Die konkreten Nudges werden in einem breiten, kreativen Prozess entwickelt und die Ergebnisse öffentlich verfügbar gemacht. Dabei wird sichergestellt, möglichst viele Inputs aus der Fachcommunity sowie aus spezifischen Zielgruppen abzuholen, um so eine hohe Akzeptanz der Nudges sicherzustellen und damit Wirkung zu erzielen.

Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit!