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Weniger konsumieren und weniger Ressourcen verbrauchen bei gleicher Lebensqualität – geht das?

Erstellt: 30. November 2018

Eine Analyse von Initiativen, die den veränderten Lebensstil ermöglichen, und wie die Stossrichtung Suffizienz weiter gestärkt werden kann.

Es ist kalt geworden! Das zeigt sich nicht nur an den dick eingepackten Leuten auf der Strasse, sondern besonders deutlich auf dem Acker. Hier reifen längst nicht mehr kiloweise Tomaten pro Tag und die Sortenvielfalt ist zurückgegangen. Es ist die Zeit von Kohl, Karotten und Randen. Die Mitglieder der solidarischen Landwirtschaftsinitiative „Meh als Gmües“ sind oft auf dem Acker, um bei der Produktion ihres Gemüses mitzuhelfen. Eine von ihnen ist Désirée. Sie weiss genau, was der Winter für die Gemüseauswahl auf dem Teller bedeutet und bewertet deshalb das vielfältige und bunte Angebot in den Supermärkten – wir finden es dort noch immer – sehr kritisch. „Meh als Gmües“ hat viel mit Suffizienz zu tun. Hierbei geht es nämlich um einen weniger ressourcen-intensiven Konsum- und Lebensstil (regionaler, saisonaler und biologischer Anbau von Gemüse) – und zwar bei gleichbleibender oder gar höherer Lebensqualität. Das Gemüse ist eben eher auf individuelle Art schön und schmeckt besonders intensiv. Die Freude am Gemüse ist für Désirée dabei genauso wichtig wie der Beitrag, den Sie so zum Klimaschutz leisten kann. Die Initiative ist nur eine von rund 200 Beispielen, welche die Stiftung Risiko-Dialog zusammen mit den CDE-Forschenden der Universität Bern schweiz- und europaweit im Rahmen des Programms «Energieforschung Stadt Zürich» untersuchten. Das Ziel war erstens zu analysieren, wie solche Initiativen suffizientes Verhalten auf individueller Ebene fördern, zweitens zu identifizieren, welche Initiativen besonders interessant sind, um mehr Menschen für einen suffizienten Lebensstil zu gewinnen und drittens zu eruieren, was die öffentliche Hand dazu beitragen kann.

Die Studie zeigt nämlich, dass die Nutzung dieser Angebote und Initiativen bei den Mitgliedern Verhaltensänderungen in Richtung einer ressourcenleichteren Lebensweise bewirken kann. Die solidarische Landwirtschaft (siehe Einführungsbeispiel) stärkt insbesondere den ressourcenschonenden Lebensmittelkonsum, durch Teilen, Tauschen und Reparieren wird wiederrum die Nutzung und die Lebensdauer von Gegenständen deutlich erhöht. Je mehr Leute mitmachen, umso grösser wird die gesamtgesellschaftliche Wirkung auf die Reduktion des Energie- und Ressourcenverbrauchs. Das ist aber leichter gesagt als getan, denn für einzelne Initiativen kann es schwierig sein, so vielen unterschiedlichen Interessen gerecht zu werden. Die einen empfinden beispielsweise Spass am Reparieren und schätzen den sozialen Austausch, andere freuen sich über nachhaltige Einkaufsmöglichkeiten mit hohem Shoppingerlebnis, wie es ReTuna in Schweden ermöglicht, oder sie legen Wert auf gute Verfügbarkeit von Lastenräder. Gerade deshalb braucht es eine Verdichtung attraktiver, einfach zugänglicher gut in den Alltag integrierbarer Angebote und Initiativen, um zusätzliche Nutzende anzusprechen. Die Vielfalt in den unterschiedlichen Angeboten und Initiativen ist dabei wichtig, um vielen unterschiedlichen Personen ressourcenleichtere Lebensweisen zu ermöglichen.

 

Die Herausforderungen, mit denen sich eine Initiative konfrontiert sieht, sind jedoch zahlreich. Sie reichen von vielfältigen administrativen und organisatorischen Tätigkeiten, wie Räumlichkeiten finden, bis hin zur Kommunikation und Mitgliederakquise – meist im Rahmen von ehrenamtlicher Tätigkeit. Sowohl bei der Gründung als auch bei der Weiterentwicklung sind Initiativen daher auf Unterstützung durch Netzwerke, Plattformen und Dachverbände angewiesen. Diese können Einzelnen Hilfestellung geben, Synergien zwischen unterschiedlichen Initiativen stärken und die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren. Erfolgreiche Unterstützung bieten beispielsweise Repair Cafe Schweiz mit  einem Starterpaket, um insbesondere Neugründungen zu erleichtern, oder die Kooperationsstelle der Solawi mit ihren Workshops für Initiant/innen und öffentlichen Informationsveranstaltungen (siehe aktuelle Veranstaltung).

Für themenübergreifende Vernetzung und Unterstützung zwischen Initiativen bietet wiederum APRES GE ein attraktives Angebot. Die potenzielle Hebelwirkung von Netzwerken, Plattformen und Dachverbänden ist somit gross. Auch der Stadt Zürich stehen diverse Massnahmen offen, solche Initiativen noch stärker zu fördern. Unter anderem kann sie Initiativen darin unterstützen, ihre Ideen in der Öffentlichkeit bekanntzumachen. Die strategische Förderung von Initiativen mit der Stossrichtung Suffizienz benötigt jedoch eine politische Legitimation, die geklärt werden sollte. Die Studie gibt zahlreiche Beispiele für spannende Initiativen, Einblick in die Bedürfnisse der Nutzenden sowie in die Herausforderungen, mit denen Initiativen konfrontiert sind. Sie diskutiert ausserdem Ansatzpunkte, wie bereits jetzt suffizienz fördernde Angebote und Initiativen durch die öffentliche Hand, oder Dritte z.B. Stiftungen unterstützt werden können.

 

Analyse von freiwilligen Angeboten und Initiativen mit Bezug zu suffizientem Verhalten

Moser S, Schmidt S, Bader Ch, Mack V, Osuna E, Holenstein M. 2018

Analyse von freiwilligen Angeboten und Initiativen mit Bezug zu suffizientem Verhalten. Ein Forschungsprojekt im Rahmen von Energieforschung Stadt Zürich. Bericht Nr. 52, Forschungsprojekt FP-1.18.

::: Zur Studie

::: Zusammenfassung

Stiftung Risiko-Dialog St. Gallen | Hirtenweg 7 | 9010 St. Gallen | Tel. +41 52 551 10 01 | info@risiko-dialog.ch
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