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Brüssel, Dresden
Die Bürgerkonferenz zur Hirnforschung ( „European Citizen Deliberation on Brain Science") initiiert einen Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Jeweils 14 und Bürger aus neun verschiedenen Ländern wurden ausgewählt, um sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene gemeinsam über das Thema Hirnforschung zu diskutieren. Antje Grobe und Milena Riede von der Stiftung Risiko-Dialog moderierten die deutsche Bürgergruppe.
"Meeting of Minds" ist ein transeuropäisches Projekt der belgischen King Baudouin Stiftung, Brüssel, und 11 internationaler Partnerinstitutionen, bei dem 126 Bürgerinnen und Bürger aus 9 europäischen Ländern über aktuelle Entwicklungen der Hirnforschung diskutierten. Zum ersten Mal wurde im Zeitraum von Mai 2005 bis Januar 2006 Bürgern die Teilnahme an Diskussionen zu wissenschaftlichen Entwicklungen auf europäischer Ebene ermöglicht. Bei insgesamt fünf Treffen (drei nationalen und zwei europäischen Treffen) formulierten die Teilnehmenden für sie wichtige Fragen und diskutierten diese zusammen mit Experten. Die daraus resultierenden Empfehlungen wurden in nationalen Bürgerberichten und einem europäischen Bürgergutachten zusammengefasst. Diese Gutachten wurden am Ende der Bürgerkonferenz im Januar 2006 an EU Politiker und Experten, welche im Gesetzgebungsprozess und in der Forschungspolitik tätig sind, übergeben.
Die deutschen Bürgerdialoge mit 14 repräsentativ ausgewählten Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurden vom Deutschen Hygiene Museum in Dresden koordiniert. Die Stiftung Risiko-Dialog moderierte die deutschen Bürgerkonferenzen und die Ländergruppen in Brüssel. Unterstützt wurde das Projekt von der Europäischen Kommission, der King-Baudouin-Stiftung sowie in Deutschland vom Stifterverband der Deutschen Wirtschaft und der Robert-Bosch-Stiftung.
::: Informationsbroschüre "Meeting of Minds" [pdf, 522kb]
::: meetingmindseurope.org
Projektteam: Dr. Antje Grobe (Leitung), Milena Riede
"Meeting of Minds" - Projektbericht
Antje Grobe, Milena Riede
"Meeting of Minds" ist ein transeuropäisches Projekt der belgischen King Baudouin Stiftung, Brüssel, und 11 internationaler Partnerinstitutionen, bei dem 126 Bürgerinnen und Bürger aus 9 europäischen Ländern über aktuelle Entwicklungen der Hirnforschung diskutieren. Unterstützt wird das Projekt von der EU, die diese Methode erstmals einsetzt, um vergleichbare Länderempfehlungen der Bürger zu einer europäischen Bürgerkonferenz zusammen zu führen. Nach fünf Treffen (drei nationalen und zwei europäischen Treffen) wird der Abschlussbericht den Politikern und Experten übergeben, die im Gesetzgebungsprozess und in der Forschungspolitik involviert sind. Gleichzeitig soll eine europaweite öffentliche Debatte angestossen werden. Die deutschen Bürgerdialoge mit 14 repräsentativ ausgewählten Teilnehmerinnen und Teilnehmern werden vom Deutschen Hygiene Museum in Dresden organisiert. Dr. Antje Grobe und Milena Riede von der Stiftung Risiko-Dialog moderieren die deutschen Bürgerkonferenzen und die Ländergruppen in Brüssel.
Startschuss in Brüssel: European Citizens´ Deliberation "Meeting of Minds" - das erste Treffen
Einstieg in die Thematik
An der ersten Bürgerkonferenz in Deutschland im Deutschen Hygiene Museum in Dresden haben die Bürgerinnen und Bürger anhand von sechs Fallbeispielen in die Thematik eingeführt. Ein Improvisationstheater, Dialoge in kleinen und grossen Gruppe erleichterten den Laien den Zugang zum komplexen Gebiet der Hirnforschung. Am Beispiel von ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit- und Hyperaktivitäts-Störung), Alzheimer, Gehirnoptimierung durch Medikamente oder elektronische Chips wurden die Chancen und Risiken der Hirnforschung zum Teil hitzig diskutiert. Die Bürger forderten mehr Transparenz und Information über den aktuellen Stand der Wissenschaft sowie über Behandlungsalternativen. Immer wieder tauchte die Frage auf, was überhaupt "krank" ist und wer das mit welchem Interessenhintergrund diagnostiziert. Welche sozialen und wirtschaftlichen Aspekte beeinflussen die Behandlung? Was bedeutet die Diagnose für den Betroffenen und dessen Umfeld und wie kann die Lebensqualität für Patienten und deren Familien erhalten werden?
"Die Mischung der Nationen und Sprachen war ein faszinierendes Abenteuer"
Beim ersten Europäischen Treffen in Brüssel wurden dann die nationalen Fragestellungen in übergeordnete europäische Themenbereiche zusammengefasst. Die Bürgerinnen und Bürger arbeiteten an gemischten Runden Tischen mit einem Moderator und einem Dolmetscher zusammen und definierten übergreifende Themen. "Die Mischung der Nationen und Sprachen war ein faszinierendes Abenteuer, ich hätte nie gedacht, dass das funktioniert", so eine der deutschen Teilnehmerinnen, Bürokauffrau aus Hamburg. Eine Rentnerin aus Dänemark sass neben einem griechischen Studenten, daneben ein französischer Architekt, eine deutsche Krankenschwester, ein belgischer Baseballtrainer und eine holländische Schülerin neben einem ehemaligen deutschen Manager. 126 Bürgerinnen und Bürger diskutierten zweieinhalb Tage über ihre Vorstellung, wie das Thema Hirnforschung gestaltet werden sollte.
Regulierung, Information und die Freiheit zu wählen
Von besonderer Bedeutung war der Themenbereich Regulierung und Kontrolle, zu dem Empfehlungen ausgearbeitet werden sollen. Es ging aber auch um die Toleranz der Verschiedenheit und die Frage, was denn Normalität ist. Eine bessere Information der Öffentlichkeit wurde ebenso angemahnt, wie ein gleicher Zugang zur Behandlungen sowie die Freiheit zu wählen, ob und auf welche Weise eine Behandlung erwünscht ist. Am Ende jeder Diskussionsrunde wurden wichtige Themen per Key-Pad abgestimmt, Prioritäten identifiziert und der Grad an Zustimmung sichtbar gemacht. Das technische Verfahren hierzu lieferte die Amerikanische Gruppe "Global Voices", die ähnliches bereits beim World Economic Forum in Davos getestet hatte. In der Schlussdebatte stand eine junge Französin auf und sagte: "Ich spreche hier als Europäerin und freue mich, dieses klare Ergebnis vor uns stehen zu haben". Der Erfolg der Veranstaltung, in einer so grossen Gruppe europäische Forschungspolitik mit zu gestalten war für die Bürgerinnen und Bürger ein "überwältigendes Gefühl".
Die zweite und dritte Bürgerkonferenz in Dresden
Die Bürgerinnen und Bürger haben einen Fragenkatalog für die öffentliche Expertenanhörung erarbeitet und dann die geladenen Sachverständigen zu den medizinischen, ethischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekten der Hirnforschung befragt. Die Ergebnisse dieser Diskussion haben die Bürger im Anschluss der Öffentlichkeit präsentiert. Antje Grobe und Milena Riede von der Stiftung Risiko-Dialog moderieren die deutschen Bürgerkonferenzen.
Abschließendes europäisches Treffen
Im Januar 2006 findet das abschliessende europäische Treffen statt. Alle Bürgergruppen erarbeiten anhand der Ergebnisse der vorangegangenen nationalen Beratungen Übereinstimmungen und Kontroversen in der Bewertung der Hirnforschung. Abschließend wird eine Empfehlung zur Entwicklung der Forschung auf dem Gebiet der Hirnforschung formuliert. Diese Stellungnahme wird Vertretern der europäischen Politik und Wissenschaft sowie der Öffentlichkeit vorgestellt.
::: Weitere Informationen vom Veranstalter |