15. September 04 - Nano-Vision 2014

Nanofair - St. Gallen

Von der Nanotechnologie wird erwartet, dass sie die Gesellschaft fundamental verändern wird. Die Nanotechnologie kann dabei unbeabsichtigte Wirkungen haben. Was sind die Chancen und Gefahren? An der Nanofair in St. Gallen diskutierte ein internationales Panel diese Fragen.

 

Nanotechnologie - der nächste Showdown zwischen Wissenschaft und Gesellschaft?

 

Nanotechnologie - Für die einen "Die Schlüsseltechnologie" des 21. Jahrhunderts, für die anderen eine neue technologische Bedrohung mit ungeahnten Risiken für Mensch und Umwelt. Jenseits von Euphorie und Panikmache stellen sich bereits heute regulatorische Fragen für den Umgang mit dieser Technologie. Anlässlich der Veranstaltung "Nano-Vision 2014" der Stiftung Risiko-Dialog wurden gesellschaftliche Auswirkungen der Nanotechnologie und heutige Handlungsmöglichkeiten diskutiert.

The Future is bright - The future is Nano. Dies zumindest glauben diejenigen, welche in der Nanotechnologie die Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts sehen. Kritiker aus den Reihen von Greenpeace und ETC-Group reden von einer "gefährlichen Technologie" und fordern ein Moratorium für die Herstellung von synthetischen Nanopartikeln. Wenigstens solange, bis klar sei, welche Auswirkungen diese auf Mensch und Umwelt haben werden. Obwohl die Moratoriumsforderung nur geringes politisches Echo fand, wird in vielen Ländern derzeit an der Regulation der Nanotechnologie gearbeitet. Bereits stellt sich die Frage, wer von den Chancen profitieren kann und wer von Gefahren betroffen sein wird. Die Öffentlichkeit hat allerdings die Nanotechnologie noch wenig zur Kenntnis genommen. Und wenn, dann meist positiv. "Tiefe Gräben" wie bei der Agro-Gentechnik gibt es - wenn man von der futuristischen Debatte um Nanoroboter und "gray goo" absieht - noch keine. Dies könnte sich allerdings rasch ändern. Dann nämlich, wenn synthetische Nanopartikel z.B. bei einem Arbeitsunfall freigesetzt werden, in den Boden, ins Trinkwasser oder gar in die Nahrungskette gelangen und Mensch und Umwelt gefährden. Oder wenn Studien zeigen, dass Nanoteilchen in alltäglichen Produkten (z.B. Sonnencrèmes) der Gesundheit schaden können.

 

Lernen aus früheren Debatten

In seinem Eingangsreferat wies Dr. Christoph Meili von der Stiftung Risiko-Dialog darauf hin, dass es für die Nanotechnologie darauf ankomme, nicht die gleichen Fehler zu wiederholen wie sie die Agrogentechnik-Industrie in den 90-er Jahren gemacht hatte. Dies heisst an erster Stelle, die Kritiker ernstzunehmen und Ängste nicht zu bagatellisieren oder als irrational zurückweisen. Als Zweites sollten die Hoffnungen nicht ins Utopische getrieben werden. Dies vor allem, um keine übertriebenen Erwartungen zu schüren, die später enttäuscht werden könnten. Auch wenn Nanotechnologie eine Technologie mit "Siegerpotenzial" sei, muss sie diese erst einmal beweisen. Diese Lektion sollte die Nanotechnologie vom IT-Debakel gelernt haben. Je grösser die "Bubble" umso grösser der Knall beim platzen. Wissenschafter sollten zudem zum fehlenden Wissen über mögliche Risiken stehen und die "weissen Flecken" auf der "Risikolandkarte" offen, transparent und verständlich kommunizieren.

 

Lernen für die Zukunft

Unter dem Titel "Nano-Vision 2014" fand im Anschluss eine Paneldiskussion zu den gesell-schaftlichen Auswirkungen der Nanotechnologie statt. Daran nahmen internationale Nano-Experten teil: So Vicki Colvin, amerikanische Nano-Toxikologin von der Rice University und Pat Mooney, Leiter der kanadischen ETC-Group, welche ein internationales Moratorium für syn-thetische Nanopartikel fordert. Aus der Schweiz haben Dr. Sergio Bellucci und Prof. Dr. Louis Schlapbach am Panel teilgenommen. Sergio Bellucci ist Leiter von TA-Swiss, des Schweizerischen Zentrums für Technologiefolgenabschätzung, welches im letzten Jahr eine Studie zum Thema Nanotechnologie und Medizin publiziert hat. Prof. Schlapbach ist Physiker und CEO der EMPA. Die Experten diskutierten, wie der Stand der Nanotechnologie in 10 Jahren aussehen könnte und welche Handlungsempfehlungen deshalb für die einzelnen Länder zu ergreifen seien. Weiter wurden Chancen- und Gefahrenszenarien der Nanotechnologie diskutiert. Diese Gespräche machten klar, dass die Nanotechnologie zum einen eine extrem breit angelegte Querschnittstechnologie ist, bei der eine Abschätzung der gesellschaftlichen Auswirkungen aus heutiger Sicht praktisch noch unmöglich ist. Einig waren sich die Experten darin, dass die Risikoabschätzung zentral ist und dass der gesellschaftliche Dialog grosse Bedeutung hat.

 

::: Artikel: Beim Kleinsten die Besten

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