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13. März 2008 - Rationierung im Gesundheitswesen | Le rationnement au sein du système de santé

„Nur verdeckte Rationierung ist verwerflich“
Dialogveranstaltung, 13. März 2008, Bern

Rationierung im Gesundheitswesen – das Thema ist heiss. Verfassung und Krankenversicherungsgesetz garantieren allen eine gleichwertige medizinische Versorgung. In der Realität wird aber immer mehr auf medizinisch indizierte Behandlungen verzichtet. Und zwar schleichend. Die Stiftung Risiko-Dialog lud am 13. März 2008 im Zentrum Paul Klee in Bern zu einer offenen Diskussion über dieses ethisch, politisch, ökonomisch und medizinisch sensible Thema ein. 120 Pflegende, Aerzte, Behörden, Politiker sowie Bürger nahmen rege teil.

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Untersuchungen belegen, dass unter dem wachsenden Kostendruck die Rationierung von Gesundheitsleistungen in der Schweiz Realität ist – wenn auch auf hohem Niveau und schwer zu erfassen. So sorgte beispielsweise Ende Januar 2008 die Veröffentlichung des Inselspitals in Bern für Aufregung: bei älteren Herzpatienten finde eine versteckte Rationierung statt. Auch in anderen Bereichen wurde eine verdeckte Rationierung nachgewiesen, konstatierte Prof. Peter M. Suter, Präsident der Schweizerischen Akademie für Medizinische Wissenschaften SAMW. Dabei verwies er darauf, dass es gesellschaftlich akzeptierte Formen der Rationierung gibt, zum Beispiel in der Zahnmedizin und in der Palliativmedizin in der Schweiz.

Wie kommen wir zu einer gerechten Rationierung?
Diese Frage bewegte die Gemüter. Bea Heim, Nationalrätin, warnte davor, diese Diskussion dem Parlament zu überlassen. Es seien zu viele Interessen gebunden und die Herren und Damen seien „zu gut gepolstert“. Sie unterstützte Sandra Schneider, BAG, in ihrer Aussage, dass „nur eine verdeckte Rationierung verwerflich sei“, es müsse offen über Rationierung diskutiert werden. Darüber war man sich allerdings weder auf dem Podium noch im Publikum einig. Möglicherweise ist ein „muddling through“, ein verdecktes Durchwursteln, mehr oder weniger planmässig, die bessere oder gar einzige Strategie, angesichts der Komplexität? Darauf kommentierte Roger de Weck, dass man wohl im Moment darüber diskutiere, dass das worüber man diskutiere, nicht diskutiert werden solle.

Sollen Bürgerinnen und Bürger Rationierungsregelungen mitbestimmen?
Interessant war, dass das Abstimmungsergebnis zur Frage „Soll das Volk bei einer Regelung der Rationierung mitentscheiden?“ am Anfang der Veranstaltung signifikant stärker befürwortet wurde als zum Schluss der vierstündigen Diskussion. Man vertraut doch lieber den Experten bzw. delegiert die Verantwortung darüber, wer bestimmen soll und wer wann welche Leistung erhält.

Rationalisierung statt Rationierung?
Oder kann eine weitere Rationalisierung und Optimierung von Prozessen das Rationierungsproblem lösen? Davon geht Stefan Kaufmann, stellvertretender Direktor von santésuisse aus. „Es gibt noch sehr viel Luft im System.“ Darüber hinaus stellte er die Frage, ob es nicht sinnvoll sein könnte, Gesundheitspolitik und Sozialpolitik zu trennen. Im Moment wird über das KVG indirekt Sozialpolitik betrieben. Würde eine Trennung nicht weiterhelfen? Prof. Matthias Haller, Präsident Stiftung Risiko-Dialog St. Gallen, differenzierte zwischen Bedarfs- und Leistungsgerechtigkeit. Die Balance ist nicht einfach.

"Mut zu schweren Entscheiden" sowie Selbstverantwortung
Die anwesenden Experten aus dem Gesundheitswesen im Raum hakten nach, verwiesen auf den hypokratischen Eid, auf die Notwendigkeit ganzheitlicher Betrachtungsweisen und auf die Selbstverantwortung. „Wenn man nach Thailand in die Ferien fahren kann, kann man auch einen Teil für seine Gesundheit aus dem eigenen Sack bezahlen.“ Abschliessend votierte Prof. Suter für „Mut zu schweren Entscheiden“.

Die Stiftung Risiko-Dialog will mit dieser Veranstaltung einen Prozess initiieren, der die Diskussion weiterführt. Es geht darum, dieses heikle Thema aus der Tabuzone zu führen. Besser heute diskutieren und Lösungen finden, als morgen über verpasste Chancen lamentieren.


Trägerschaft | Organisation et Partenaire

Die Veranstaltung wurde von der Stiftung Risiko-Dialog konzipiert und organisiert. Hauptpartner war die Schweizerische Akademie für Medizinische Wissenschaften SAMW.
Idée et organisation: Fondation Risiko-Dialog St. Gallen. Partenaire principal: Académie Suisse des Sciences Médicales ASSM.

 

Medien | Médias
Auskunft| Renseignements: Marianne Hager-Huber,
Tel. | tél. 052 262 76 18, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

::: Medienmitteilung [pdf, 32kb]
::: Bildmaterial Podium [jpg, 641kb]
::: Bildmaterial Experten unter sich [jpg, 1.6mb]


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