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Kein Essen ohne Risiko (Gastro Journal) Drucken
Donnerstag, den 10. Oktober 2002 um 00:00 Uhr

 

In den letzten Monaten wurden Konsumenten wie Gastronomen wiederholt durch das Aufdecken von rechtswidrig behandelten Produkten verunsichert. Ob Produkte eine zu geringe Sicherheit aufweisen, war an einem Seminar in Basel zu erfahren.

Von Jo Steimen


Christoph Meili, Projektleiter der Stiftung Risiko-Dialog, St. Gallen, durfte anlässlich eines Lernseminars im Bildungszentrum 21 in Basel eine ganze Reihe interessierter Vertreter von Grossverteilern und aus der Gastronomie begrüssen. Das breite Interesse schrieb Meili vor allem dem Aufdecken von rechtswidrig behandelter und in jüngster Zeit in den Verkauf gelangter Produkte zu. Die Stiftung Risiko-Dialog beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Risiko-Wahrnehmungen und mit Konflikten um Risiko-Themen.
Aus diesem Grund orientierte zu Beginn des Seminars André Herrmann, Kantonschemiker im Kantonalen Laboratorium Basel-Stadt über die Aufgaben der Überwachungsbehörden. Immerhin konnte er auch darauf hinweisen, dass die Produkte, welche auf dem schweizerischen Markt erworben werden können, grundsätzlich eine hohe Sicherheit aufweisen. Entlang der Lebensmittelkette sorgen inzwischen auch eine grosse Anzahl von Firmen dafür, dass das Restrisiko möglichst gering bleibt.

Nullrisiko gibt es nicht
Sowohl Herrmann wie die Leiterin Lebensmittelrecht/Ernährung im Q-Center von Coop Schweiz, Brigit Hofer, wiesen darauf hin, dass es im Lebensmittelhandel jedoch kein Nullrisiko geben kann: Die Öffnung der Märkte und ein erbitterter Wettbewerbskampf hat die Lebensmittelfirmen vor neue Probleme gestellt. Abweichungen vom nationalen Recht, Kulturunterschiede, aber auch der Preisdruck auf die Produzenten führen immer wieder und vermehrt zu Verstössen, die in ihrer Schwere entsprechend geahndet werden müssen. Gegenmassnahmen sollen primär an der Quelle getroffen werden, dort wo die Produkte erzeugt und verabeitet werden.
Aus diesem Grund auch wird vermehrt darauf hin gewirkt, dass die Lebensmittel vertreibenden Firmen, insbesondere Importeure, mit ihren Lieferanten strenge Anforderungskriterien vereinbaren, deren Einhaltung mittels eigener Qualitätssicherung überprüft werden. So muss auch die Rückverfolgbarkeit der Produkte, vom Regal bis zum Produktionsort, für jede einzelne Partie sichergestellt werden.

Selbstkontrolle

Die meisten grösseren Unternehmen besitzen bereits ein Qualitätssicherungs-System, andere Betriebe sind damit beschäftigt, ebenfalls ein solches einzuführen. Brigit Hofer wies in ihrem Referat darauf hin, dass zur Erhaltung des Vertrauens der Kunden eine strenge Selbstkontrolle heute nicht mehr zu umgehen ist. Sie erinnerte an jenen Vorfall, als Coop aus allen Regalen Polentamais entfernen liess, weil darin ein verschwindender Anteil gentechnischer Substanzen gefunden worden war. Sie gab allerdings auch ihrer Enttäuschung darüber Ausdruck, dass die Zusammenarbeit mit den Behörden zu wünschen übrig lasse: Diese haben in Sachen verunreinigtem Polentamais und der getroffenen Massnahmen von Coop keine Stellung bezogen.

Aufmerksam bleiben
Während Jahrzehnten erkannte man die durch Überhitzung entstehende Bildung von karzinogenem Acrylamid nicht und erst nach weiteren Untersuchungen wird man mehr darüber sagen können. Deshalb ist es wichtig, dass die Bevölkerung durch ein umweltbewusstes, ökologisches und ethisches Kaufverhalten zu höherer Lebensmittelsicherheit beiträgt. Nur so kann die richtige und nachhaltige Ernährungsweise erreicht werden.

Artikel erschienen im Gastro Journal 41/2002, am 10. Oktober 2002.