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Risiken der Gentechnik für die Landwirtschaft (Schweizer Bauer) |
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Donnerstag, den 14. November 2002 um 03:00 Uhr |
Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) lassen Risiken und Gefahren erkennen, und sie werden ungleich eingeschätzt.
Von Barbara Sulzer
Chancen und Gefahren der Gentechnik werden sehr unterschiedlich eingeschätzt, wie die Gen-Lex-Debatte im Nationalrat kürzlich gezeigt hat. In St. Gallen haben am 7. November 2002 führende Gentechnologie-Experten der Schweiz über die Risiken der Gentechnik in Landwirtschaft und Ernährung diskutiert. Die Veranstaltung mit Referaten und Podiumsdiskussion, organisiert von der Stiftung Risikodialog, richtete sich hauptsächlich an die Studierenden der Hochschule St. Gallen, welche sich im Vorfeld bereits mit Fragen zur Gentechnik und Gesellschaft auseinander gesetzt haben. In ihrer Fallstudie "BonGentis" muss für einen fiktiven Agrobusinesskonzern eine Zukunftsstrategie entwickelt werden. Wird Bio oder Gentechnik längerfristig erfolgversprechend sein? Die Studierenden haben Experten befragt und die Antworten live an jenem Abend erhalten.
Die Chancen Klaus Ammann, Direktor des Botanischen Gartens in Bern, beleuchtete kritisch, aber eindeutig befürwortend Nutzen und Chancen der Gentechnik in der Landwirtschaft. Er versuchte gängige Vorurteile abzubauen und einen gangbaren Weg aufzuzeigen. Dank der Gentechnik könnten Produkte gesünder werden, zum Beispiel enthalte BT-Mais weniger Mykotoxine infolge Pilzkrankheitsresistenz, der Goldene Reis werde mit Vitamin A angereichert, und Allergien auslösende Gene können dank Gentechnik eliminiert werden. Die genetische Vielfalt werde nicht notgedrungen kleiner. Einschränkungen in der Anwendung der Gentechnik sieht Ammann bei Kulturpflanzen, die sich leicht mit Wildpflanzen kreuzen lassen wie zum Beispiel Roggen und Hafer. Diese gehörten nicht in die schweizerische Landwirtschaft.
Die Gefahren Florianne Köchlin vom Blauen-Institut Münchenstein, die Koryphäe der Gentechgegner, zeigte, weshalb kein Nebeneinander von Gentechnologie und GVO-freien Produkten möglich sei. Eine Vermischung und Verunreinigung sei sowohl auf der Produktionsebene als auch auf der Verarbeitungsstufe nicht zu vermeiden. Das grösste Problem sieht sie in der Unberechenbarkeit der Auswirkungen von GVO auf das Bodenleben. Den "leeren" Versprechen der Gentechnologen würden die Beweise hintendrein hinken, daher sei ein Freisetzungsstopp unbedingt nötig. Gemäss statistischen Umfragen wollten 70 bis 80 % der Leute keinen Gentechfood, und die Exportmärkte von Mais und Soja nach Europa seien kollabiert. Der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen führte nicht zur erhofften Ertragssteigerung. Und die Herbizideinsparungen seien gering, mit Ausnahme bei der BT-Baumwolle.
Der Expertendialog Experten nahmen anschliessend Stellung zu Chancen der "grünen" Gentechnik. Arthur Einsele von der Syngenta, dessen Hobby der BT-Mais ist, wies auf die Euphorie der Forscher hin. Bernadette Oehen vom WWF Schweiz setzte die Empfindungen der Bevölkerung in den Mittelpunkt. Thomas Epprecht von der SwissRe beleuchtete die Schwierigkeiten, Risiken zu versichern. Michael Nawrath von der Bankgruppe Credit Swiss legte die Bedenken der Banken dar. Josef Wüest vom Schweizerischen Bauernverband sagte auf die Frage nach dem Gentechnologieeinsatz in der Scheizer Landwirtschaft: Die Gentechnik sei auf grosse Monokulturen ausgerichtet und deshalb für die Schweiz nicht geeignet. Viel eher würde sie sich für die Nischenproduktion "gentechfrei" stark machen, falls der Markt dies wünsche.
Der Konsumentscheid Eine abschliessende Abstimmung, um das Gentech-Stimmungsbarometer im Saal zu messen, zeigte eine deutliche Mehrheit von Gentechbefürwortern unter den Wirtschaftsstudenten. Gentech- und Vollmondbier, gesponsert von den Firmen Syngenta AG und Brauerei Locher aus Appenzell, kühlten beim anschliessenden Apéro die erhitzten Gemüter. Hier zeigten sich die wahren Gelüste nach Gentechnik in Lebensmitteln. Wer trank wohl welches Bier und aus welchem Grund? Solange der Konsument wählen kann, bestimmt er den Markt.
Artikel erschienen im Schweizer Bauer, am 14. November 2002.
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