Nanotechnologie im Spiegel der Medien
Medienanalyse zur Berichterstattung über Chancen und Risiken der Nanotechnologie
Januar 2001 – April 2005
Autoren: Dr. Antje Grobe, Caspar Eberhard, Martin Hutterli
Die oftmals unterstellte Technikfeindlichkeit der Medien trifft auf die Nanotechnologie eindeutig nicht zu. Dies zeigt eine Medienanalyse der Stiftung Risiko-Dialog. Die Berichterstattung ist klar positiv. Deutschsprachige Zeitungen und Zeitschriften betonen viel eher die Chancen der Nanotechnologie als die potentiellen Gefahren.
Die Nanotechnologie ist eine der wichtigsten Zukunftstechnologien mit grossem Innovationspotenzial für die chemische und pharmazeutische Industrie, die Automobilindustrie, Medizin- und Biotechnologie sowie die Umwelt- und Energietechnologie. In Befragungen der Öffentlichkeit überwiegen die positiven Einstellungen gegenüber der Nanotechnologie. Trotzdem befürchten Stakeholder, dass eine ähnlich ablehnende Haltung gegenüber dieser Technologie entstehen könnte, wie sie aus der Gentechnik-Debatte bekannt ist.
Eindeutige Resultate
In ihrer Medienanalyse hat die Stiftung Risiko-Dialog untersucht, wie über die Nanotechnologie berichtet wird. Das Ergebnis ist eindeutig: Medien stellen die Technologie positiv dar.
In ihrer Studie hat die Stiftung Risiko-Dialog rund 250 Artikel aus 47 deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften ausgewertet. Anschliessend wurden in einer zweiten Runde weitere 200 Artikel aus vier Organen (NZZ, FAZ, Die Zeit, Financial Times Deutschland) analysiert. Untersucht wurde der Zeitraum zwischen Januar 2001 und April 2005.
Die zentrale Frage war, ob sich die Berichterstattung eher auf Chancen oder auf Risiken konzentriert. Das Resultat ist überraschend klar. Um die 70 Prozent der gesichteten Artikel betonen die Chancen der Technologie: es wird über das Innovationspotenzial, faszinierende Anwendungen und Forschungspersönlichkeiten berichtet. Nur rund 10 Prozent der Texte stellen die Risiken in den Vordergrund, während die restlichen 20 Prozent ausgewogen berichten.
Innovative Anwendungen
Die meisten Artikel – jeweils rund 40 Prozent – befassen sich mit Anwendungen in der Informationstechnologie und der Medizin. Von der Nanotechnologie werden noch kleinere und leistungsfähigere Datenspeicher und Prozessoren erwartet. Solche Anwendungen werden kaum mit Risiken in Verbindung gebracht. In der Medizin erhofft man sich, dass künftig Medikamente an den richtigen Ort im Körper transportiert werden können. Ebenso werden neue Behandlungsmöglichkeiten für Krebs und Alzheimer erwartet, wobei in diesem Zusammenhang öfters auf unbekannte Nebenwirkungen und Forschungslücken hingewiesen wird.
Weitere häufige Themen sind Oberflächenbeschichtungen sowie Anwendungen im Automobilsektor, vor allem Autolacke, und im Textilbereich. Auch das allgemeine wirtschaftliche Potenzial der Nanotechnologie wird oft erwähnt.
Risikothemen kommen auf
Gefahren der Nanotechnologie werden in den Medien, wenn überhaupt wenig differenziert aufgegriffen. Der Nano-Forscher und Autor Eric Drexler etwa erregte die Aufmerksamkeit der Medien mit seiner Vision von sich unkontrolliert vermehrenden Winzigrobotern, die er später selbst als unwissenschaftlich erklärte. Im Verlauf der Debatte sind die anfänglichen Science-Fiction-Horrorszenarien denn auch immer mehr der Auseinandersetzung über gesundheitliche Risiken und ethische Fragestellungen gewichen.
Seit rund zwei Jahren werden potentielle Risiken, die in der Wissenschaft diskutiert werden, auch in den Medien aufgegriffen. Mit der Ankündigung erster Studien in diesem Bereich und auch offene Fragen der Toxizität und der Auswirkungen auf Mensch und Umwelt haben die Medienberichte über Risiken leicht ansteigen lassen. In den nächsten Monaten ist ein weitere Zunahme von Risikothemen in den Medien zu erwarten, da weitere Studienergebnisse, Kongresse und Dialoge angekündigt sind, welche gesundheitliche Risiken und kritische gesellschaftliche Fragen in den Vordergrund stellen.